Weinbau ohne Weinberg

ERO produziert und verkauft Spezialmaschinen für den Weinbau – und investiert jetzt in großem Stil in die Zukunft.


Nein, in der Nähe gibt es keine Weinberge, weit und breit nicht. Sonnige Steilhänge? Fehlanzeige. Trotzdem kommen gerne mal ganze Busse mit Weinexperten zu ERO nach Niederkumbd im Hunsrück, verbringen Stunden im Betrieb. Geschäftsführer Michael Erbach und sein Team präsentieren den Gästen, was es Neues gibt in Sachen Weinbautechnik. Auch ohne Weinberg auf dem Firmengelände: Die ERO -Gerätebau GmbH hat schon lange einen klangvollen Namen in der Branche, ist sie doch führend bei der Herstellung von hochwertigen Weinbaugeräten und -maschinen.

„Geplant war das nicht: Mein Vater Heinz war Landwirt – und wollte sich zunächst nur die Arbeit im Stall erleichtern“, erzählt Michael Erbach. „Weil er auf dem Markt nichts Passendes finden konnte, hat er selbst Gitter und Gatter gebaut, in einer Werkstatt hinten in unserer Scheune. Er war ein echter Tüftler.“ Das sprach sich herum, andere Landwirte wurden auf die Innovationen aus dem Hause Erbach aufmerksam. Irgendwann fing Heinz Erbach an, seine Erfindungen in Serie zu bauen. Aus dem Hobby wurde ein Nebenverdienst, dann ein echtes Geschäft. Als in den 1970er-Jahren immer mehr Landwirte ihre Betriebe aufgaben, kam für Heinz Erbach so zufällig wie passend der Weinbau hinzu: Sein Schwager Herbert Roth machte eine Ausbildung zum Winzer – und erkannte, dass so manches Arbeitsgerät auch dort nicht eben praktisch konstruiert war. Damit wurde die nächste Geschäftsidee geboren: Aus den Nachnamen Erbach und Roth entstand der Firmenname „ERO “, unter dem das erste Produkt für den Weinbau, ein Laubschneider mit rotierenden Messern, verkauft wurde. Weitere Konstruktionen folgten, Heinz Erbach und seine Frau gründeten 1978 eine GmbH.

Alles wird viel praktischer und effizienter, weil wir von Anfang an sinnvoll planen konnten. 

Michael Erbach
Geschäftsführer der ERO-Gerätebau GmbH

Herbert Roth war inzwischen im Weingut seiner Frau tätig. Anfang der 1980er-Jahre präsentierte ERO seinen ersten selbstfahrenden Traubenvollernter, wurde damit erfolgreich und ist es bis heute.

Im Jahr 1999 haben die Eltern das Unternehmen an Sohn Michael Erbach weitergegeben, die Geschäfte sind – mit mehrfacher Unterstützung der ISB – stetig gewachsen. Vor einigen Jahren hat ERO ein Unternehmen in Bingen übernommen, beschäftigt heute insgesamt 187 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat große Pläne: Über Jahrzehnte war die Firma um den ehemaligen Bauernhof der Familie Erbach herum gewachsen, immer wieder wurde an- und umgebaut. „Jetzt haben wir uns aber für einen Neubau entschieden“, so Michael Erbach. Wenige Kilometer entfernt, in Simmern, wird derzeit gebaut, gefördert von der ISB. „Ich freue mich sehr darauf! Alles wird viel praktischer und effizienter, weil wir von Anfang an sinnvoll planen konnten. Unsere Fertigung wird hochmodern.“ Eine großzügige Ausstellungshalle mit Schulungsräumen wird es dann auch geben: „Schon jetzt haben wir jährlich etwa 1.500 Besucher im Unternehmen. Endkunden und Händler kommen ebenso wie Schüler von Weinbauschulen oder Mitglieder von Vereinen.“ Sie werden künftig noch komfortabler, bei Kaffee und Kuchen, alles über Maschinen für den Weinbau lernen – auch wenn die nächsten Weinberge weit entfernt sind. |