Steil nach oben - und nach unten

Es ist eine Weltneuheit: Die Brüder Peter und Marcus Hoffmann aus Piesport an der Mosel haben den ersten Vollernter für Steillagen erfunden – und eröffnen dem Weinbau damit eine ganz neue Perspektive.


Fünf Jahre hatten sie getüftelt. Hatten so manche schlaflose Nacht verbracht, sich manchmal gefragt, ob das alles überhaupt sinnvoll ist, die Investition an Zeit, Geld und Nerven. Und dann standen Peter und Marcus Hoffmann da im Steilhang, an einem Spätsommertag im Jahr 2015, und hatten Tränen in den Augen. Ihre Raupe, ihre Erfindung, funktionierte tatsächlich – kippte nicht, erntete Trauben im Rekordtempo, meisterte eine Hangneigung, bei der sich Menschen festhalten müssten und normale Vollernter längst abgerutscht wären. „Das war schon ein sehr besonderer Moment für uns – zu sehen, dass es wirklich klappt“, erinnert sich Peter Hoffmann. Es war ein Moment, der einen Meilenstein für das Unternehmen bedeutete, das die Brüder von Vater und Großvater übernommen hatten.

Carl Hoffmann, gelernter Schmied, hatte 1925 einen Fachbetrieb für Landmaschinen gegründet. Es war eine Zeit, in der die Landwirtschaft zunehmend technisiert wurde, Hoffmann war einer der Ersten, der mit großen Maschinen handelte und sie reparieren konnte. „Unser Großvater war ein Händler durch und durch. Unser Vater hat dann Landmaschinenbau studiert, seinen Meister gemacht und das Unternehmen weitergeführt“, erzählt Peter Hoffmann. Für ihn und seinen Bruder Marcus war schon früh klar, dass sie in den Betrieb einsteigen wollten, Marcus studierte ebenfalls Landmaschinenbau, Peter wurde Wirtschaftsingenieur. Im Jahr 2000 übernahmen sie schließlich die Carl Hoffmann Landmaschinen-Fachbetrieb GmbH, etablierten mit der Zeit neue Geschäftsfelder, etwa den Vertrieb von kellereitechnischen Maschinen, Füllanlagen und Etikettiermaschinen, von Filtertechnik, Weinpressen und -tanks.

Ein sehr besonderer Moment – zu sehen, dass es klappt. 

Marcus und Peter Hoffmann
Geschäftsführer der Carl Hoffmann Landmaschinen-Fachbetrieb GmbH

Und dann kam die Idee mit dem Vollernter für Steilhänge. „Es gibt in vielen Weinbaugebieten wie hier bei uns Lagen, die noch immer in mühevoller Handarbeit abgeerntet werden müssen“, erklärt Peter Hoffmann. „Wir dachten schon lange: Es müsste doch möglich sein, das effizienter zu machen.“ Und sie begannen, sich mit der Thematik zu beschäftigen – fünf Jahre lang, die Ideen wurden zu Zeichnungen, zu Modellen, zu Prototypen. Unterstützt wurden sie dabei durch das Innovationsförderprogramm „Inno-Top“ der ISB. Das Ergebnis schließlich stand im Sommer vergangenen Jahres im Weinberg: ein Vollernter auf einer Raupe, sehr viel leichter als herkömmliche Erntemaschinen und mit einem anderen Schwerpunkt – ideal für Hänge mit einem Gefälle von bis zu 75 Prozent, zudem schonend für Trauben und Pflanzen. Diese Maschine kann einen ganzen Hektar im Weinberg in vier Stunden abernten, damit wären 30 Helferinnen und Helfer einen ganzen Tag beschäftigt. „Als der Test gezeigt hat, dass es wirklich funktioniert, haben wir natürlich erstmal gefeiert“, verrät Marcus Hoffmann. Aber dann ging die Arbeit erst richtig los – zum Glück, denn auf dem Markt kommt ihr Steilhang-Ernter bestens an. Mittlerweile bieten die Hoffmanns einerseits Ernteeinsätze als Dienstleistung an, andererseits haben sie die ersten Maschinen innerhalb von Deutschland, nach Frankreich und nach Portugal verkauft. Und haben ohnehin Erfolg auf der ganzen Linie: 2016 sind die Brüder mit der Technologie-Prämie SUCCESS der ISB und des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums ausgezeichnet worden – für ihre Weltneuheit „Made in Rheinland-Pfalz“. |