Musikalische Eselsbrücken

Was tun, wenn englische Vokabeln einfach nicht im Kopf bleiben wollen? Marvin Scherschel aus Mehlingen hat die Lösung gefunden: eine ganz besondere Online-Plattform für Schüler.


Angefangen hat alles mit einem Beutetier, einem englischen Beutetier. „Ich konnte mir einfach nicht merken, was ,prey‘ übersetzt heißt“, erinnert sich Marvin Scherschel. Erst als ihm jemand sagte, dass das Wort im Song „Eye of the Tiger“ vorkommt, war alles klar. Dank der entsprechenden Zeile hat er das Beutetier nie mehr vergessen – und daraus gleich eine Geschäftsidee entwickelt.

Schwierige Englisch-Vokabeln mit einer Eselsbrücke lernen – das ist erstmal nicht neu. Die Art der Eselsbrücken, die sich der heute 22-Jährige ausgedacht hat, aber schon: Auf seiner neuen Internet- Plattform Vofy kann jeder Schüler eigene Vokabellisten eingeben und über einen Online-Trainer lernen. Vor allem aber genügt ein Klick, um eine passende Lied-Zeile zu besonders widerspenstigen Vokabeln zu finden, und die wird dem Nutzer gleich vorgespielt. „Wir haben viele tausend Songs aus den Charts seit den 1950er- Jahren zur Verfügung. Bisher haben wir noch zu jedem Wort etwas gefunden“, sagt Scherschel. Dabei werden aktuelle Titel bevorzugt, außerdem die eigene Liste von Lieblingsliedern, wenn der Nutzer sie hinterlegt hat. Dass das Lernen von schwierigen Vokabeln mit Musik einfacher geht, ist für den Unter nehmensgründer klar: „Es ist erwiesen, dass das Lernen über Emotionen sehr effektiv ist – und Musik ist Emotion pur.“

Vofy steht für „The Voice of Vocabulary“ – damit ist Scherschel vor einigen Jahren beim Wettbewerb „Jugend forscht“ angetreten. „Von Anfang an hat mich mein Informatiklehrer unterstützt“, erzählt er, „der war schon immer sehr cool.“ Dieser Lehrer ist heute sein Mitarbeiter, längst begegnen sich die beiden auf Augenhöhe. Gemeinsam haben sie als Grundlage den Vokabeltrainer entwickelt – und für die musikalische Unterstützung einige Hürden gemeistert: Wie kommt man an Songtexte? „Wir haben schließlich einen Anbieter in Kanada gefunden, der uns günstig mit den Texten versorgt“, ist Scherschel stolz. Und dann war da natürlich die Rechtefrage für das Abspielen der Lieder. „Da bin ich einfach nach Berlin gefahren und zum Online-Streaming-Dienst Spotify gegangen. Die fanden meine Idee toll und sind jetzt dabei.“ Soll heißen: Jeder Song, den Vofy für eine Vokabel vorschlägt, kann direkt über Spotify angeklickt werden. Mit einer Venture-Capital- Gesellschaft der ISB fand Vofy schließlich einen Investor – seit November ist die musikalische Eselsbrücke nun online.

Und die nächsten Schritte? Da hat Marvin Scherschel schon sehr konkrete Pläne. Derzeit laufen Gespräche mit Schulbuchverlagen. Ziel ist es, dass die Vokabellisten der gängigen Lehrbücher direkt bei Vofy hinterlegt werden. Dann möchte der Gründer eine zweite Plattform einrichten, speziell ausgerichtet auf die Erwachsenenbildung. Und schließlich plant er jetzt schon, europaweit zu ex - pandieren: „Englische Vokabeln müssen ja in jedem Land gelernt werden, und deshalb glaube ich, dass Vofy überall funktionieren wird.“ |

Ich glaube, dass Vofy überall funktionieren wird. 

Marvin Scherschel
Vofy GmbH, Mehlingen