Geld für Gründungen

Eine innovative Idee, ein aussichtsreiches Konzept und Kompetenz: Wenn ein Start-up diese Voraussetzungen erfüllt, hat es gute Chancen auf Wagniskapital von der ISB.


Ein Weincocktail aus deutschem Riesling und südamerikanischer Mate, versetzt mit einem Schuss Holunder oder Ingwer: Das war die Idee. Das Ergebnis steht mittlerweile in vielen Supermärkten, aber das genügt den Gründern der Mari Beverage GmbH aus Kaiserslautern nicht: „Unsere Produktpalette wird sich stetig vergrößern. Im Winter bieten wir beispielsweise eine limitierte Edition mit schwarzem Johannisbeersirup an, die sowohl kalt als auch heiß getrunken werden kann und eine echte Alternative zum Glühwein ist.“ Doch dazu benötigt das 2013 gegründete Start-up frisches Kapital.

Wir mischen uns nicht ins operative Tagesgeschäft ein. Die Unternehmen entscheiden weiterhin selbst über Produkte, Entwicklungen und Mitarbeiter. 

Brigitte Herrmann
Leiterin des VC-Bereichs der ISB

Und genau das können Existenzgründerinnen und Existenzgründer von der ISB bekommen, noch bevor sie solide Geschäftszahlen haben, wie sie von Hausbanken für einen größeren Kredit verlangt werden. So genanntes Wagniskapital – auch Venture Capital genannt – gibt die ISB über Tochtergesellschaften dann aus, wenn sie an die Unternehmen glaubt, an die Idee genauso wie an die Gründerpersönlichkeiten. „Eine Voraussetzung ist, dass die Idee innovativ ist“, erklärt Brigitte Herrmann, Leiterin des VC-Bereichs der ISB. „Es muss nicht unbedingt ein ganz neues Produkt sein. Wichtig ist uns aber, dass die Menschen im Unternehmen eigene Forschungs- oder Entwicklungsarbeit leisten.“ Dann schätzt die ISB die Marktchancen ein, prüft die Businesspläne und lernt die Gründerinnen und Gründer persönlich kennen. „Das ist sehr wichtig für uns. Wir wollen wissen, wem wir Geld geben, denn der Erfolg hängt maßgeblich auch von den Personen ab.“

In der Regel sind es junge Unternehmen, denen die ISB auf diesem Weg Kapital zur Verfügung stellt. In vielen Fällen besteht das Beteiligungsangebot der ISB aus einer Kombination einer direkten Beteiligung und einer typisch stillen Beteiligung. Dieses Kapital verbessert die Eigenkapitalstruktur der Unternehmen – das hat den Vorteil, dass die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer dadurch bei den Hausbanken ihr Rating verbessern können. Bei einer offenen Beteiligung wird die VC-Gesellschaft der ISB zum Mitgesellschafter, sie zeichnet beispielsweise zehn Prozent der Gesellschaftsanteile. Der Ausstieg aus der Beteiligung erfolgt einvernehmlich mit den übrigen Gesellschaftern. Entweder wird das Unternehmen im Rahmen eines sogenannten „Trade-Sale“ zum Beispiel an einen Mitbewerber in Gänze verkauft oder die ISB bietet dem Unternehmen oder den übrigen Gesellschaftern die Anteile zum Rückkauf an. Wichtig ist, dass die ISB ein langfristig orientierter Investor ist und einen Ausstieg aus der Beteiligung nicht vor Ablauf von zehn Jahren plant. Bei einer stillen Beteiligung muss das Unternehmen zunächst nur die Zinsen zahlen; die Tilgung erfolgt am Ende der zehnjährigen Laufzeit in einer Summe oder auch jederzeit früher durch vorzeitige Kündigung der Beteiligung durch das Unternehmen.

Beratung und Kredite für Existenzgründer

Wer ein Unternehmen gründet, sollte sich gut beraten lassen. Welche Vertriebswege sind die richtigen? Wie funktioniert Skalierung? Welche Marketingstrategien versprechen Erfolg? Bei solchen Fragen können erfahrene Unternehmensberater weiterhelfen – die ISB gibt dafür einen Zuschuss: Sie finanziert zur Hälfte bis zu sechs Beratertage von maximal 800 Euro. „Damit möchten wir Gründerinnen und Gründer ermuntern, Beratung in Anspruch zu nehmen – bei so gut wie jedem neuen Unternehmen gibt es Aspekte, für die Unterstützung benötigt wird“, erläutert Roland Wagner, Leiter des Bereichs Mittelstandsfinanzierung bei der ISB. Zusätzlich bietet die ISB eine Telefonberatung sowie einmal im Monat einen Beratertag an, bei dem Existenzgründer über alle Fördermöglichkeiten informiert werden.

Zusätzlich zu vielen Angeboten, die die KfW Existenzgründern macht, gibt die ISB eigene zinsgünstige Darlehen an junge Unternehmen aus. Der ERP-Gründerkredit RLP aus dem ISB-Mittelstandsförderungs programm ist für Gründerinnen und Gründer von kleinen und mittleren Unternehmen aus Handel, Handwerk und Dienstleistung gedacht sowie für Freiberuflerinnen und Freiberufler, und zwar innerhalb der ersten fünf Geschäftsjahre. Der ISB-Kredit wird über die Hausbank beantragt und ausgezahlt. Der Höchstbetrag liegt bei zwei Millionen Euro, er läuft wahlweise über fünf, zehn oder zwanzig Jahre, die Anfangszeit ist tilgungsfrei. „Ist das Unternehmen bereits mehr als zwei Jahre am Markt und beträgt der benötigte Kredit nicht mehr als 250.000 Euro, kann der Kredit auch mit einer Haftungsfreistellung von 50 Prozent für die Hausbank beantragt werden, was die Kreditvergabe häufig erleichtert“, so Roland Wagner.

Weitere Informationen zu den Förderprogrammen finden Sie auf der Internet-Seite der ISB unter dem Stichwort „Gründung“.

Die Beteiligungsmittel können für alle betrieblichen Belange eingesetzt werden; die Unternehmer können damit Investitionen finanzieren, neues Personal einstellen, sie können für Forschung und Entwicklung, für den Aufbau von Vertriebsstrukturen oder für Marketing ausgegeben werden. „Wir mischen uns nicht ins operative Tagesgeschäft ein. Die Unternehmen entscheiden weiter hin selbst über Produkte, Entwicklungen und Mitarbeiter“, so Brigitte Herrmann. „Wir behalten uns nur Mitspracherechte für wesentliche Entscheidungen vor, wenn es etwa um die Besetzung von Geschäftsführer-Positionen oder einen Standortwechsel des Unternehmens geht.“

Das innovative Getränke-Unternehmen aus Kaiserslautern hat im September 2016 die Zusage bekommen, dass eine ISB-Tochtergesellschaft sich an Mari Beverage GmbH beteiligt. „Wir sind uns sicher“, sagt Brigitte Herrmann von der ISB, „dass Mari mit seinem Design und seinen Inhaltsstoffen das Potenzial hat, sich mit seinen natürlichen Weincocktails eine neue Nische zu schaffen.“ Wenn alles klappt wie geplant, steht er dank der ISB schon in diesem Winter im Supermarktregal – der Weincocktail mit Johannisbeersirup. |