Fernbedienung 4.0

Heizung, Alarmanlage und Rollläden per Handy-App steuern: Was vor Kurzem noch nach Zukunft klang, ist heute Gegenwart. Ralf Ziegler und sein Team vom Start-up EDOMO Systems GmbH aus Landau haben eine Technologie entwickelt, die das eigene Zuhause ganz unkompliziert vernetzt – und die sogar Leben retten kann.


Er sitzt im Auto, es ist nicht mehr weit bis zu seinem Haus. In diesem Moment springt dort die Heizung an: „Ich habe sie so eingestellt, dass sie warm wird, wenn ich noch zwei Kilometer entfernt bin“, erklärt Ralf Ziegler. Möglich macht das ein elegant aussehender silber-schwarzer Würfel, mit einer Grundfläche etwa halb so groß wie eine Tafel Schokolade, der mitten in seinem Wohnzimmer steht. Er ist einerseits mit den sowieso vorhandenen Sensoren an der Heizung verbunden, andererseits mit Ralf Zieglers Smartphone: „Über eine Standortbestimmung teilt mein Handy automatisch mit, wie weit ich noch entfernt bin.“

Das Gerät fragt den Nutzer, was er will. 

Ralf Ziegler
Geschäftsführer von EDOMO Systems GmbH

Ralf Ziegler ist der erste Anwender des Würfels – er hat ihn selbst erfunden, mit seinem Start-up EDOMO ist er seit dem 1. Juni 2017 am Markt. Die Geschäftsidee: intelligente Komponenten, die im Haus vorhanden sind oder bei Neubauten integriert werden, zu vernetzen und individuell steuerbar zu machen. Und zwar, das ist entscheidend, unabhängig vom Hersteller: „Wir können Geräte aller Anbieter verbinden, der Nutzer muss also nicht alles neu kaufen.“ Kernelemente des Netzwerks sind die EDOMO-App für das Smartphone und der besagte Würfel, den es in zwei Varianten gibt: Der optisch unscheinbare „HIVE“ ist für Großimmobilien gedacht und wird in den Sicherungskasten eingebaut. Der schickere „CUBE“ wurde für private Installationen entwickelt, es wird ihn in Holzoptik, Aluminium und Weiß geben. Die Anwendung ist denkbar einfach: Der Nutzer kann seinen CUBE oder HIVE sowie alle smarten Einrichtungen im Haus – etwa Heizungssensoren und Temperaturfühler, Fitnesstracker und Rollladen-Steuerung, Rauchmelder und Alarmanlagen – in der App registrieren. „Das ist ganz unkompliziert: Man muss nur den Barcode oder den QR-Code mit dem Handy scannen. Wir haben die passenden Daten schon in der Software hinterlegt.“ Je nach Gerät wird der Nutzer gefragt, was er möchte: Die Rollläden zu bestimmten Zeiten schließen? Warnen, wenn ein Fenster geöffnet wird? Oder die Heizung starten, wenn man selbst nur noch zwei Kilometer entfernt ist?

Die Idee von EDOMO ist nicht nur für mehr Komfort in privaten Haushalten gedacht, sie kann auch wichtige Funktionen übernehmen, etwa in Wohnheimen oder für pflegebedürftige Menschen. So könnten Sensoren installiert werden, die zum Beispiel registrieren, wenn sich in der Wohnung eine Stunde lang nichts bewegt – dann würde das System direkt eine Meldung an einen Pflegedienst senden. Über einen Fitnesstracker wäre es sogar möglich, konkrete Daten zu Puls oder Sauerstoffsättigung des Blutes zu übertragen. Noch steht EDOMO mit seinen zehn Mitarbeitern ganz am Anfang. Die Anschubfinanzierung erfolgte unter anderem über eine Venture- Capital-Beteiligung des Innovationsfonds Rheinland-Pfalz II, eine Fördermaßnahme des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums, die durch die ISB abgewickelt wird. Die ersten Projekte sind längst geplant: In Kürze soll ein smartes Studierendenwohnheim mit EDOMO HIVE ausgestattet werden, ebenso ein größeres Objekt mit Eigentumswohnungen. „Im kommenden Jahr möchten wir dann mit unserem CUBE in den Handel, damit jeder unsere Angebote auch privat nutzen kann.“ Und seine Heizung so programmieren kann, dass sie warm wird, wenn sich der Besitzer nähert. Oder besser: dessen Handy. |