Die Zukunft am Straßenrand

Leitplanken. Innovativ? Vanessa Volkmann hat schon heute die Leitplanke von übermorgen im Kopf.


Die Männer sind mit schwerem Gerät angerückt auf die Baustelle an der A3. Ein Kran hebt einen Pfosten, rammt ihn mit großem Druck in den Boden. „Das ist ganz wichtig. Wenn der nicht fest steht, hält die ganze Leitplanke nicht“, erklärt Vanessa Volkmann. Wenige Meter weiter der nächste Pfosten, immer im gleichen Abstand. Die eigentliche Begrenzung, eine Planke aus Stahl, wird dazwischen eingehängt, in Handarbeit. „Das sind 46 Kilo, ganz schön schwer“, sagt die Chefin. Allein schon deshalb müssen auf jeder Baustelle der Volkmann & Rossbach GmbH & Co. KG aus Montabaur mindestens drei, manchmal auch fünf Mitarbeiter vor Ort sein.

Seit sie denken kann, ist Vanessa Volkmann von Leitplanken umgeben. Der Vater der heutigen geschäftsführenden Gesellschafterin hatte ebensolche erst lackiert, dann selbst gefertigt – ein lohnendes Geschäft in den 1960er-Jahren, als sich die Zahl der Autos rasant vermehrte. „Damals haben die Leitplanken wirklich geleitet, sie haben Orientierung gegeben, wo man langfahren sollte“, erklärt Vanessa Volkmann. Diese Funktion hat sich im Laufe der Zeit verändert, irgendwann wurde die Konstruktion in „Schutzplanke“ umbenannt, weil sie die Fahrzeuge davor schützt, von der Straße abzukommen. Heute heißt sie offiziell „passives Fahrzeug-Rückhalte-System“.

Der Bereich Mobilität entwickelt sich kontinuierlich. Neue Autos stellen neue Anforderungen an Straße und Sicherheit 

Vanessa Volkmann
Geschäftsführende Gesellschafterin Volkmann & R ossbach GmbH & Co. KG

In Zukunft könnte die Planke aber wieder zum echten Leitsystem werden, glaubt die Expertin – dann nämlich, wenn das selbstfahrende Auto zur Normalität wird. Dann könnten die Fahrbahnbegrenzungen oder auch Markierungen auf der Straße so ausgestattet werden, dass sie die Sensoren der Fahrzeuge leiten. „Es wäre zum Beispiel möglich, Leitmechaniken aufzukleben oder mit verschiedenen Metallen oder Reflektoren zu arbeiten – je nachdem, welche Technologie sich durchsetzt.“ Vanessa Volkmann, die selbst einen Tesla fährt, „um ihn auszuprobieren“, beschäftigt sich ständig mit der Zukunft, und das mit Erfolg: „Der Bereich Mobilität entwickelt sich kontinuierlich, neue Autos stellen neue Anforderungen an Straße und Sicherheit. Und da haben wir es geschafft, dass wir als Fachfirma von den Autoherstellern direkt angefragt werden und in Forschungskreisen mitarbeiten.“

Immer vorausschauen, nie stehen bleiben: So arbeitet die studierte Europa-Betriebswirtin, seit sie das Unternehmen 2006 von ihrem Vater übernommen hat. Längst werden Leitplanken und Markierungen, Schilderbrücken und Schutzwände nicht mehr nur entwickelt und produziert, sondern auch von den eigenen Leuten montiert. Dafür hat Volkmann & Rossbach ein deutschlandweites Netz von rund einem Dutzend Niederlassungen aufgebaut, die Monteure sollen jeweils im Umkreis von 200 Kilometern zu ihrer Baustelle wohnen.

Auf ihrem Expansionskurs hat Vanessa Volkmann von Anfang an Unterstützung von der ISB bekommen. „Das war sehr positiv. Die haben nicht so sehr wie andere auf die reinen Zahlen geguckt, sondern auch auf Arbeitsplätze und unser Potenzial“, erinnert sie sich. „Das hat mir sehr geholfen.“ Mittlerweile hat ihre Firma etwa 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Tendenz steigend – gerade erst hat Vanessa Volkmann, wieder unterstützt durch ein ISB-Darlehen, eine weitere Firmengruppe übernommen. „Unser Markt konsolidiert sich, große Firmen übernehmen kleinere. Es ist viel in Bewegung. Da ist es mir deutlich lieber, andere Firmen zu übernehmen als selbst übernommen zu werden.“ Es wird nicht die letzte Übernahme gewesen sein, verrät sie heute schon.

Auf der Baustelle an der A3 sind am Ende des Tages gut zweihundert Meter geschafft, das ist das übliche Tagespensum. Die Pfosten stehen unverrückbar, die Stahlplanken passen perfekt. Vanessa Volkmanns Mitarbeiter werden hier noch einige Wochen zu tun haben, um mehrere Kilometer Autobahn mit dem Seitenschutz auszustatten. „Es ist ein tolles Gefühl, etwas zur Sicherheit der Menschen beizutragen“, sagt die Chefin ein bisschen stolz. Und sie ist sicher: Irgendwann werden sie wieder hierherkommen an die A3. Werden die „Rückhalte-Systeme“ austauschen und wieder echte Leitplanken montieren – Leitplanken einer ganz neuen Generation. |