Server in Schränken und Stollen

Ein Rechenzentrum im Bergwerk. 100 Serversysteme auf zwölf Quadratmetern. Minimale CO2-Emission und eine Blumenwiese: Prior1 setzt konsequent auf Fortschritt – und auf einen neuen Standort in Weitefeld.


Die Baustelle im Industriegebiet sieht aus, wie Baustellen eben aussehen: Kräne, Berge von Baumaterial, der Rohbau ragt bereits in den Himmel. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Halle fertig ist, schlicht in edlem Schwarz verkleidet, mit großen Fensterflächen und weithin sichtbarem Schriftzug „Prior1“. Das Unternehmen hat sich auf Rechenzentren spezialisiert, also auf Räume und Gebäude, in denen große Serversysteme die Daten von Unternehmen speichern und verarbeiten. „Wir unterstützen vor allem mittelständische Unternehmen dabei, ihre eigenen Rechenzentren zu planen, zu bauen und zu betreiben – vom kleinen Serverraum bis hin zum großen Neubau“, erklärt Anja Zschäck vom Prior1-Marketing.

Dabei stehen sowohl die Technik als auch die Sicherheit im Mittelpunkt: Das Rechenzentrum ist sozusagen das Herzstück eines Unternehmens. Wenn es ausfällt, herrscht Stillstand, im schlimmsten Fall gehen die Daten und damit die Existenzgrundlage verloren. Wie man das vermeiden kann? Das ist die Spezialität von Prior1. So müssen moderne Serverräume und Rechenzentren über eine durchgängige ausfallsichere Stromversorgung verfügen. Dazu wird die Versorgung grundsätzlich mehrfach ausgelegt: Fällt ein System aus, greift sofort das nächste. Gleiches gilt für die Klimatisierung, denn es darf im Inneren des Rechenzentrums trotz der vielen Server nie zu heiß werden.

„Auch Brandschutz ist ein zentrales Thema“, erklärt Anja Zschäck. „Serverräume und Rechenzentren müssen mindestens in F90-Wertigkeit gebaut werden, das heißt: Wände und Türen, aber auch Öffnungen für Kabel- oder Rohrleitungsdurchführungen müssen einem Feuer mindestens 90 Minuten lang standhalten.“ Außerdem brauchen Rechenzentren unter anderem ein Monitoringsystem, Zutrittskontrollen, Videoüberwachung, Einbruchmeldeanlagen – um all das kümmern sich die Expertinnen und Experten von Prior1.

Eine Herausforderung sind Rechenzentren, die in Bestandsgebäude eingebaut werden sollen. „In der Ludwig-Maximilians-Universität in München beispielsweise mussten wir auf gerade einmal zwölf Quadratmetern ein Forschungsrechenzentrum für etwa 100 Serversysteme schaffen. Das war nur mit Hilfe eines sogenannten Smart Cages möglich, eine Art Schrank, der flexibel in jede Raumstruktur eingebaut werden kann. Wir sind der einzige Anbieter in Deutschland, der das so realisieren konnte.“ Ideen ganz anderer Art waren für die Unterbringung von Servern in einem Bergwerk gefragt – hier hat Prior1 in einem etwa 1,6 Kilometer tiefen Stollen ein hocheffizientes Rechenzentrum geschaffen. „Das ist sicherlich die bestgeschützte Einrichtung ihrer Art in Deutschland, was Angriffe von außen betrifft“, so Anja Zschäck schmunzelnd.

Wir werden mehr Energie erzeugen, als wir selbst verbrauchen, und überschüssige Energie in Eisspeicher umwandeln, um sie bei Bedarf wieder abzurufen. 

Anja Zschäck
Leitung Organisation und Marketing

Rund 400 Rechenzentren hat Prior1 in gerade einmal zehn Jahren seit der Gründung betreut, die Mitarbeiterzahl ist von acht auf über 65 gestiegen. Längst sind die bisherigen Immobilien zu klein geworden, deshalb wird jetzt in Weitefeld im Landkreis Altenkirchen neu gebaut. In der schwarz verkleideten Halle, deren Bau von der ISB mit einem Zuschuss gefördert wird, sollen ab 2020 flexible IT-Safes produziert werden, eine Art Serverschränke, und Container, in denen Unternehmen ihre Rechenzentren flexibel unterbringen können. Außerdem werden hier Büros entstehen. „Für uns ist Weitefeld ein idealer Standort, weil viele unserer Beschäftigten ohnehin in der Region leben und zahlreiche Lieferanten hier ansässig sind. Vor allem aber haben wir dann endlich Produktion, Lager und Büros an einem Ort.“

Und nicht nur personell und räumlich verändert sich Prior1 ständig, auch das Thema Umweltschutz spielt eine immer wichtigere Rolle. So hat das Unternehmen gerade die Tochterfirma konseq gegründet, die strikt auf Nachhaltigkeit setzt. „Das beginnt dabei, dass in den konseq-Rechenzentren ausschließlich Strom aus erneuerbaren Quellen eingesetzt wird“, sagt Anja Zschäck. „Wir achten darauf, die Abwärme der Server weiter zu nutzen und so an anderer Stelle Heizenergie einzusparen.“ Klimaschädliche HFKW-Kältemittel kommen nicht zum Einsatz, die Anlagen werden besonders energieeffizient ausgelegt. Auf die Verwendung reparatur- und recyclingfähiger Materialien und Produkte legt konseq Wert. „Und wir arbeiten grundsätzlich nicht für Unternehmen der Agrochemie, der Rüstungsindustrie, der Massentierhaltung und der konventionellen Energieerzeugung.“

Der Umweltschutz ist im Übrigen auch bei der neuen Immobilie in Weitefeld ein Thema, auf das Prior1 großen Wert legt. Durch die effiziente Kombination von Fotovoltaik, Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln, Eisspeichern und thermischer Bauteilaktivierung wird der Betrieb des Gebäudes CO2-neutral sichergestellt. „Wir werden mehr Energie erzeugen, als wir selbst verbrauchen, und überschüssige Energie in Eisspeicher umwandeln, um sie bei Bedarf wieder abzurufen“, so Anja Zschäck. Und das ist noch nicht alles. Prior1 hat extra ein doppelt so großes Grundstück wie benötigt gekauft: „Damit möchten wir die Fläche, die wir bebauen, kompensieren – durch eine Wiese mit vielen Blumen und Obstbäumen.“ |