Fortschritt mit fünf Achsen

Wenn es eine Technologie mit riesigem Potenzial gibt, dann ist es der 3D-Druck. Und dabei ist Oliver Schulte mit seinem kleinen Unternehmen ponticon ganz vorne mit dabei – in einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz.


Der Fortschritt steckt in einem großen Schrank, 2,60 mal 2,80 Meter groß, drei Meter hoch. Er steht da mitten in der großen Produktionshalle der ponticon GmbH in Schwabenheim bei Mainz, bald wird er nach Aachen geschickt, um dort seine Premiere zu feiern. Und auf die warten viele schon gespannt: Diese Maschine ist ein Meilenstein im additiven Metalldruck, also dem Verfahren, bei dem ein Objekt Schicht für Schicht gedruckt wird. Nun sind additive Verfahren an sich nicht neu, doch was die Maschine von Oliver Schulte kann, gab es bisher noch nie – sie druckt viel schneller, viel präziser und viel flexibler als all ihre Vorgänger. Möglich macht das EHLA, eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Abkürzung steht für „extremes Hochgeschwindigkeits-Laserauftragsschweißen“, dabei werden Metallpartikel schon während des Sprühvorgangs durch einen Hochleistungslaser verflüssigt und treffen auf die nur geringfügig angeschmolzene Oberfläche des Produkts. „Außerdem wird eine zweite Anlage fünf Achsen haben, damit man das Objekt von allen Seiten bearbeiten kann“, erklärt Oliver Schulte stolz. „Das ist eine echte Herausforderung, daran arbeiten wir schon seit April dieses Jahres.“

Dass Schulte Maschinen erfinden würde, war ihm schon früh klar. Als Jugendlicher entwickelt er für Nachbarn eine Spezialvorrichtung, mit der man Reifen ohne Maschine auf Stahlfelgen aufziehen kann, und eine mobile Brücke, über die Geländewagen fahren können. Mit gerade einmal 15 Jahren wird die Garage seines Vaters zur Werkstatt umfunktioniert, in diversen Praktika baut er seine praktischen Fertigkeiten weiter aus. Und studiert dann, natürlich, Maschinenbau.

Wenn andere abends zum Sport gegangen sind, habe ich an neuen Konstruktionen gearbeitet. Das war für mich der ideale Ausgleich. 

Oliver Schulte
Unternehmensgründer ponticon GmbH, Schwabenheim

Heute ist Oliver Schulte 54 Jahre alt und noch immer begeistert vom Erfinden. Viele Jahre lang hat er bei großen Unternehmen gearbeitet und sich dann quasi nebenbei selbstständig gemacht: „Wenn andere abends zum Sport gegangen sind, habe ich an neuen Konstruktionen gearbeitet. Das war für mich der ideale Ausgleich.“ 2017 entschließt er sich dann, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Spezialgebiet: hochpräzise und schnelllaufende Sondermaschinen. Als das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT einen Partner sucht, um den ersten 3D-EHLA-Drucker zu bauen, ist das für ihn ein Traum Auftrag: „Wir haben uns darüber natürlich riesig gefreut!“ Der Produktbereich mit Anlagen zur additiven Fertigung war geboren. Bis dahin hatte Schulte mit einem kleinen Team in Wiesbaden gearbeitet, doch für den 3D-EHLA-Metalldrucker brauchte er mehr Platz. „Als es dann um eine Produktionshalle ging, konnte uns Rheinland-Pfalz überzeugen“, sagt der Jungunternehmer. In Schwabenheim fand er eine passende Immobilie – und bekam durch die Neuansiedlung die Möglichkeit, von der ISB über das Technologieförderprogramm InnoTop bei Entwicklung, Bau und Programmierung der fünfachsigen 3D EHLA-Maschine unterstützt zu werden.

Und eben diese Maschine soll demnächst in Serie gehen. Doch zunächst wird sie in Aachen ausgiebig getestet, „Kinderkrankheiten gibt es immer“. Schulte rechnet damit, dass er noch die eine oder andere Anpassung vornehmen wird, bis der Drucker optimal läuft. Aber das ist kein Problem – gute Ideen hat er schließlich schon immer gehabt. |