Das Rohr im Rohr

Baustellen mitten in der Stadt? Um Abwasserrohre zu sanieren? Das ist längst Vergangenheit – auch dank eines innovativen Unternehmens aus Rheinland-Pfalz: RELINEEUROPE ist Vorreiter bei der grabenlosen Erneuerung von Kanalrohren.


Die Kunststoffbahn ist etwa einen halben Meter breit, weich und grau, sie sieht ein bisschen aus wie eine Abdeckplane auf einer Rolle. „Das ist unser Alphaliner, ein Schlauch aus Polyesterharz und Glasfasern, und der wird bald zu einem stabilen Abwasserrohr werden“, erklärt Christian Noll. Mit Hilfe einer Seilwinde wird der Schlauch durch einen Schacht in den Abwasserkanal gelassen, hindurchgezogen und auf der anderen Seite auf Höhe eines weiteren Schachts fi xiert. Dann wird er aufgeblasen wie ein Luftballon, dabei schmiegt sich das Material von innen an den alten Kanal an. Anschließend schieben die Experten eine Lichterkette mit mehreren speziellen UV-Lampen durch das Rohr – das Licht härtet das Harz aus, sodass der Liner stabil wird wie ein nagelneues Rohr im alten Rohr. „Der fertig ausgehärtete Liner ist sta- tisch selbsttragend. Innerhalb eines Arbeitstages können damit, ohne die Straße aufzugraben, mehrere hundert Meter Kanal saniert werden – das erspart aufwändige Baustellen und ist deutlich kostengünstiger“, so Christian Noll.

Vor zehn Jahren hat er RELINEEUROPE gemeinsam mit mehreren anderen Spezialisten gegründet, alle kamen aus der Kanalbranche, die sie mit innovativen Ideen in der Rohrsanierung weiterentwickeln wollten. Doch sie gerieten direkt in die damalige Finanzkrise. „Plötzlich wollte keiner mehr neuen Unternehmen Geld geben“, erinnert sich Noll noch genau. Die Gründer hatten jedoch Glück, „unsere Hausbank und die ISB haben an uns und unsere Ideen geglaubt und uns schließlich finanziert“.

Diese Städte wachsen enorm, und die Rohre müssen die Abwässer von immer mehr Menschen bewältigen. 

Christian Noll
Vorstand der RELINEEUROPE AG

Seitdem schreibt RELINE Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, ein Gesamtsystem für die Sanierung von maroden Ab- und Trinkwasserkanälen anzubieten: den Liner, die Ma- schinen und Anlagen zum Linereinbau sowie die UV-Lichttechnik. Ein weiterer Vorteil ist die Härtung des Harzes mit UV-Licht: „Andere Anbieter nutzen zum Aushärten Wärme – das ist aber unter anderem deshalb schwierig, weil der Schlauch dann gekühlt werden muss, wenn er über weite Strecken exportiert wird. Bei uns genügt eine lichtdichte Verpackung für den weltweiten Transport.“

Längst ist das Unternehmen mit seinen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern international aufgestellt. Von Rohrbach aus werden Kanalbaufirmen in ganz Europa beliefert, Standorte in den USA, China, Japan und Indien betreuen die internationalen Märkte. Gerade die Megacitys in Südostasien und viele Großstädte haben enormen Bedarf an der grabenlosen Kanalsanierung: „Diese Städte wachsen enorm, und die Rohre müssen die Abwässer von immer mehr Menschen bewältigen“, erklärt Noll. „Zudem sind diese Städte vom Verkehr so belastet, dass es gar nicht möglich wäre, die Straßen aufzureißen und Baustellen einzurichten.“ Aber auch in Deutschland ist der Markt weiterhin groß: Rund zwanzig Prozent aller Kanäle müssten in nächster Zeit saniert werden, das sind mehr als 100.000 Kilometer. Und das ist zum Glück für Autofahrer und Anwohner längst ohne langwierige Baustellen möglich – dank innovativer Unternehmen wie RELINEEUROPE. |