Reibung im Zeitraffer

Tribologic in Kaiserslautern analysiert den Verschleiß von Werkstoffen.


Was passiert, wenn Kunststoff 500.000 Mal über Metall reibt? Zum Beispiel ein Scharnier in einer Autotür oder in einem Lenkrad? Ist danach noch genügend Substanz übrig? Funktioniert das Teil noch oder verklemmt es? Allein in einem Standard-PKW sind etwa 1.500 Gleitlager verbaut, die verschiedenste Drehbewegungen ermöglichen, erklärt Andreas Gebhard. Viele davon sind sicherheitsrelevant, etwa bei Lenkung oder Bremsen – und bei allen muss sichergestellt werden, dass sie jahrelang einwandfrei funktionieren. „Natürlich kann man einen Verschleißtest machen, indem man eine halbe Million Mal die Bewegung simuliert. Das dauert Monate“, so Gebhard. Aber man kann auch direkt zu ihm kommen – zu Tribologic.

Dass er sich als Verschleiß-Experte selbstständig machen würde, das hatte Gebhard eigentlich nicht geplant. Er ist studierter Chemiker, wollte promovieren und hat dafür eine Stelle im Bereich Reibungslehre am Institut für Verbundwerkstoffe der Universität Kaiserslautern gefunden. „Mein Vorteil war von Anfang an, dass ich mich durch mein Chemiestudium bestens mit dem Experimentieren auskannte“, erinnert er sich. So hat er sich schnell in Versuche rund um Reibung und Verschleiß hineingefunden und daraus 2007 seine eigene Firma gegründet.

Unsere Tests dauern etwa 20 Stunden. Danach rechnen wir den Verschleiß hoch. 

Andreas Gebhard
Geschäftsführer der Tribologic GmbH

Heute stehen im Tribologic-Labor im Business + Innovation Center in Kaiserslautern fünf Prüfstände, jeder etwa einen Meter breit und eineinhalb Meter hoch. „Hier können wir Standard- Prüfkörper aus jedem beliebigen Werkstoff einsetzen, Druck und Temperatur wählen und dann Reibung simulieren“, sagt Gebhard und zeigt ein wenige Zentimeter großes Kunststoffteil. „Unsere Tests dauern etwa 20 Stunden. Das genügt, danach rechnen wir den Verschleiß mit einer speziellen Software exakt hoch. Der Kunde bekommt das Ergebnis schon nach wenigen Tagen.“ Tage statt Monate: Der enorme Zeitgewinn ist einer der Hauptgründe, warum Unternehmen ihren Werkstoff-Verschleiß bei Tribologic prüfen lassen. Hinzu kommt, dass die Tests hier vergleichsweise günstig sind, weil Andreas Gebhard mit Standard-Prüfkörpern arbeitet und keine in Form gegossenen Teile benötigt.

Außerdem baut und vertreibt das fünfköpfige Team mittlerweile selbst Prüfmaschinen und entwickelt die bestehende Technologie ständig weiter. Und das auch mit Unterstützung der ISB: „Für unsere neueste Anlage muss die Steuer- und Regeltechnik programmiert werden, das ist aber nicht unser Fachgebiet“, erklärt Gebhard. Über das ISB-Förderprogramm InnoStart hat er Hilfe bekommen: Das Fördermodul aus dem Innovations- und Technologieförderungsprogramm Rheinland-Pfalz gewährt Unternehmen Zuwendungen, wenn sie Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten an Hochschulen vergeben. Und das hat Andreas Gebhard getan: Bei der Programmierung arbeitet er jetzt eng mit der Universität Kaiserslautern zusammen – „eine große Erleichterung“, wie er selbst sagt. „So können wir uns ganz auf unser Kerngeschäft konzentrieren: auf Reibung und Verschleiß.“ |