Im Zeichen des Zylinders

Die Brauerei Park & Bellheimer ist gut etabliert an ihren Standorten Bellheim und Pirmasens


Eine lange grüne Schlange schiebt sich über das Laufband, glitzernd, gleichmäßig, elegant. Ein leichtes, gleichmäßiges Klirren ist zu hören, ansonsten strahlt das Meer aus Glas eine stoische Ruhe aus. Die vielen tausend Flaschen haben gerade eine Großwäsche hinter sich, mit Laugenbädern, Klarspülung und Innenspritzung – jetzt stehen sie kurz vor ihrem nächsten Einsatz. In wenigen Sekunden werden sie wieder mit frischem Bier befüllt, mit einem Kronkorken verschlossen, noch einmal kontrolliert, mit Etiketten beklebt.

„Das ist der ‚Bellheimer Lord‘“, erklärt Brauereibesitzer Roald Pauli und zeigt auf das Emblem, das jede Flasche ziert: eine Figur mit schwarzem Zylinder, weißer Fliege, Monokel. „Der Lord ist unser Markenzeichen, jeder hier kennt ihn.“ Kein Wunder – seit Ewigkeiten prangt der edle Herr auf den Bellheimer-Flaschen. Und längst hat er es sogar ins echte Leben geschafft: Einmal im Jahr wird ein Bürger des beschaulichen Örtchens Bellheim zum „Lord“ ernannt, zum Markenbotschafter. Der insgesamt 15. ist gerade in Amt und Würden. Es ist eine Ehre: Alle ehemaligen Lords zusammen bilden den Bellheimer Lord-Club und machen gemeinsam Ausflüge, ganz standesgemäß wurde sogar ein Lord- Song komponiert. „Nachwuchsprobleme haben wir nicht, es gibt immer genügend Bewerbungen“, sagt Roald Pauli. Solche Traditionen findet der Chef gut und richtig. Er ist zwar gebürtiger Mannheimer, aber längst „emotional ein Pfälzer“, und das merkt man.

Zum Bier-Handwerk ist Pauli, von Haus aus Betriebswirt, eher zufällig gekommen. In Mannheim hatte er seine erste Stelle bei einer Brauerei bekommen und schnell gemerkt, wie stark Bier hierzulande noch immer mit Emotion und Region verknüpft ist. „Das hat mich damals begeistert und begeistert mich auch noch heute“, sagt der 54-Jährige. 2010 hatte er dann die Möglichkeit, die Aktienmehrheit an den ehemals zwei Traditionsunternehmen Park & Bellheimer zu übernehmen, die 1995 zueinandergefunden hatten. Bellheimer wurde 1865 gegründet, hieß anfangs noch nach dem Gründer „Brauerei Karl Silbernagel“. Später wurde die Brauerei zur Aktiengesellschaft, 1995 fusionierte das Unternehmen mit der Parkbrauerei AG aus Pirmasens – die „Park & Bellheimer AG“ entstand.

Seit Pauli das Sagen hat, setzt er wieder konsequent auf die regionale Ausrichtung und Identität, deshalb bleiben die Marken innerhalb des Konzerns auch strikt getrennt. Park wird vor allem in der Westpfalz getrunken, wirbt angesichts der schönen Landschaften und Wälder mit Wahlsprüchen wie „Park liegt in unserer Natur“ und „Das Pfälzer Naturereignis“. Bellheimer mit seinem Schwerpunkt in der Südpfalz bleibt beim Lord, den es mittlerweile auch ohne Alkohol gibt. Zum Unternehmen gehört außerdem unter anderem ein Mineralwasser. „Einer unserer großen Vorteile ist“, so Pauli, „dass wir an beiden Standorten bestes Quellwasser haben. Allein in Bellheim gibt es zwei Tiefbrunnen, wir verkaufen das Mineralwasser, das zugleich die Grundlage für unser Bier ist.“ In Pirmasens kommt das Brauwasser direkt aus dem Naturpark Pfälzerwald.

Das hat mich damals begeistert und begeistert mich auch noch heute. 

Roald Pauli
Vorstand der Park & Bellheimer AG

Von der Quelle über Brauerei und Abfüllung bis hin zur Auslieferung: Bei Park & Bellheimer kommt alles aus einer Hand. Dafür sorgen 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 95 in Bellheim, 45 in Pirmasens. Fünf Braumeister sind Herren über die riesigen kupfernen Braukessel, in denen die edlen Getränke zu dem werden, was die Kunden lieben. Rund 50 Millionen Flaschen verkaufen Park & Bellheimer an Kunden aus Gastronomie und Getränkehandel, die Logistik übernimmt Pauli mit seinem Unternehmen ebenfalls selbst, hat dafür eigens 24 Auslieferungsfahrzeuge angeschafft und 13 Großstapler.

Ein modernes Traditionsunternehmen – das soll Park & Bellheimer sein, so ist die Brauerei heute aufgestellt. „In den vergangenen Jahren haben wir sehr viel investiert“, erzählt Roald Pauli. Dabei wurde das Unternehmen auch von der ISB unterstützt. „Wir haben unseren Fuhrpark erneuert und unser Erscheinungsbild überarbeitet. Unser Gärkeller ist ebenfalls neu, und wir haben Ausschankwagen angeschafft, die wir für Feste vermieten.“ Außerdem wurde 2016 ein neues Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. Viel Aufwand, der sich lohnt: Heute ist die Brauerei gut gerüstet für die Zukunft. „Das Geschäft ist auf Wachstumskurs, ein Umsatzplus von zwei, zweieinhalb Prozent ist das Ziel“, sagt Pauli – auch zu erreichen mit neuen Mischgetränken und Schorlen. Vor allem aber mit dem, was immer geht: mit dem echten Bellheimer Lord in der großen grünen Flasche. |