Gründerinnen und Gründern das Leben leichter machen

Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing über Chancen für neue Ideen, Initiativen des Landes Rheinland-Pfalz und den Geruch von Wein.


1 Sie kommen aus Landau in der Region Südliche Weinstraße. Wie verwurzelt sind Sie in Rheinland-Pfalz?

„Ich bin sehr stark in Rheinland-Pfalz verwurzelt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Meine Jugend habe ich auf einem Weingut verbracht. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn die Ernte eingefahren ist, wenn man die Gärung riecht. Bis heute lebe ich mit meiner Familie in Rheinland-Pfalz – aus Überzeugung. Ich schätze die Menschen in meiner Heimat, die Begegnungen.“

 

 

2 Sie waren lange im Bundestag in Berlin. Haben Sie etwas aus Ihrer alten Heimat vermisst?

„Ich mag Berlin, meine Heimat liegt aber in Rheinland-Pfalz. Ich erlebe hier Offenheit und Lebensfreude. Und natürlich die wunderbare Landschaft. Die Jahre, die ich in Berlin zugebracht habe, haben mich nie entwurzelt. Auch während meiner Zeit als Abgeordneter im Bundestag habe ich weiterhin in Rheinland-Pfalz gewohnt. In Berlin hat mir zum Beispiel der Grundkonsens gefehlt, den ich aus Rheinland-Pfalz kannte, dass Deutschland und Frankreich einen engen Schulterschluss haben müssen.“

 

3 Sie sind seit Kurzem im Amt. Welche Prioritäten haben Sie für die kommenden Jahre?

„Ich habe bei meinem Amtsantritt gesagt, ich möchte das Bruttoinlandsprodukt verbessern. Ich möchte Rheinland-Pfalz zu einem der modernsten Wirtschafts- und Landwirtschaftsstandorte weiterentwickeln. Um dies zu erreichen, arbeite ich an ganz verschiedenen Themenfeldern: der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, der Digitalisierung, dem Transfer von Ergebnissen der Wissenschaft in die Wirtschaft, der Förderung moderner Geräte in der Landwirtschaft. Ganz wichtig ist mir das Thema Unternehmensgründung.“

Dr. Volker Wissing

Dr. Volker Wissing wurde 1970 in Landau in der Pfalz geboren. Nach seiner Promotion in Rechtswissenschaften war er als Richter und Staatsanwalt in Landau tätig. Für die FDP zog Volker Wissing in den Bundestag ein und wurde unter anderem stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Seit

2011 ist der Jurist Vorsitzender der FDP in Rheinland-Pfalz, 2016 wurde er rheinland-pfälzischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie stellvertretender Ministerpräsident. 2014 hat Volker Wissing eine eigene Rechtsanwaltskanzlei gegründet, zudem ist er anerkannter Kirchenmusiker. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.

 

4 Ihr Ziel ist es, Rheinland-Pfalz zum gründungsfreundlichsten Land in Deutschland zu machen. Warum ist Ihnen das so wichtig?

„Die Zahl der Gründungen entscheidet über Arbeitsplätze, die im Land neu entstehen, und somit über die soziale Sicherheit in der Zukunft. Gründungen bringen zudem ein enormes Innovations - potenzial mit, das die Wirtschaft insgesamt beflügelt. Neue Unternehmen geben wichtige Impulse. Stillstand bedeutet Rückschritt.“

 

5 Welche Maßnahmen wollen Sie dafür ergreifen?

„Ich habe die Gründerallianz ins Leben gerufen, in der sich alle relevanten Akteure austauschen und genau hinsehen, wo wir Gründern das Leben leichter machen können. Gemeinsam mit der ISB und vielen anderen Akteuren möchte ich ein optimales Gründernetzwerk entwickeln. Ich möchte, dass Gründerinnen und Gründer ideale Strukturen vorfinden: eine gute Beratung, keine unnötigen bürokratischen Hemmnisse und auch entsprechende Fördermittel. Ich möchte Gründungen in allen Wirtschaftsbereichen und Branchen erleichtern.“

 

6 Sprechen Sie mit Gründerinnen und Gründer selbst über ihre Probleme und Wünsche – und wenn ja, was sagen sie?

„Ja, das mache ich regelmäßig in den von mir initiierten Gründersprechstunden. Dort erfahre ich, was gut ist und was verbesserungsbedürftig ist. Keiner weiß mehr über die Gründersituation in unserem Land als die Gründer selbst. Deshalb ist es mir wichtig, mit potenziellen Unternehmensgründern persönlich zu sprechen.“

Ich möchte Gründungen in allen Wirtschaftsbereichen und Branchen erleichtern. 

Dr. Volker Wissing
Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz

 

7 Was möchten Sie erreichen – wo soll Rheinland-Pfalz in zwei, in fünf Jahren stehen?

„Rheinland-Pfalz soll ein erfolgreicher Technologie- und Innovationsstandort sein und viele junge Menschen sollen Lust haben, ein Unternehmen zu gründen und ihre Ideen bei uns im Land zu verwirklichen.“

 

8 Welchen Rat geben Sie Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

„Ich empfehle ihnen, sich gut beraten zu lassen, die bestehenden Beratungsangebote zu nutzen und mit Mut und Zuversicht ans Werk zu gehen.“

 

9 Wenn Sie ein neues Start-up gründen würden, was für ein Unternehmen wäre das?

„Ich habe eine ganze Reihe von Gründungsideen. Es wäre zum Beispiel spannend, eine regionale Sandwicherie mit einfachem, gesundem Essen zu eröffnen. Keine Kette nach amerikanischem Vorbild, sondern spezialisiert auf regionale Produkte, gerne auch verbunden mit einer regionalen Kaffeerösterei.“ |