Die Nummer 1 bei Gründungen


1 Im Entwurf für den Koalitionsvertrag sprechen Sie sich ausdrücklich für eine stärkere Förderung von Existenzgründungen aus. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Jedes Unternehmen fängt klein an – mit dem Mut eines Gründers oder einer Gründerin zur Selbstständigkeit. Das ist die Basis unserer Wirtschaft: Menschen mit Ideen, für die sie brennen und etwas wagen. Das gilt für jede Gründung. Wir sind das Flächenland Nr. 1 bei den Gründungen. Kräftig aufholen wollen wir bei Start-ups, denn sie sind einer der Motoren des digitalen Wandels. Von ihnen können Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung profitieren. Sie bringen Risikobereitschaft, Offenheit für neue Wege, innovative Ideen, oftmals Nähe zu Technik und Forschung und Erfolgswillen mit. Die Landesregierung möchte weiter ein positives Klima in Rheinland-Pfalz schaffen, das Gründerinnen und Gründer unterstützt und ermutigt. Innovative Unternehmen arbeiten oft mit Hochschulen zusammen und schaffen neue, qualifizierte Arbeitsplätze.

2 Immer wieder hört man von Start-ups, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre Produkte und Dienstleistungen bei etablierten Unternehmen zu platzieren. Häufig bestehen Vorbehalte in Bezug auf die Bonität der jungen Unternehmen und / oder eine Geschäftsbeziehung kommt aufgrund mangelnden Vertrauens in die neuen Technologien nicht zustande. Gibt es Ansätze, mehr Vertrauen zwischen Gründern und Mittelstand zu schaffen?

Mittelständler sind eigentlich sogar besonders geeignet, mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Denn die Start-ups schätzen an ihnen die kurzen Entscheidungswege in der Anbahnung der Kooperation oder bei der Vergabe. Beide Partner wissen aber heute noch zu wenig voneinander: Wo ist der Mittelständler, der besonders von meiner smarten Lösung profitiert? Oder umgekehrt: Welches Start-up bietet die Lösung für mein betriebliches Ziel? Wir brauchen ganz praktisch mehr Möglichkeiten, bei denen beide sich kennenlernen können. Die Landesregierung setzt sich dafür ein, gemeinsame Plattformen für Gründer und Unternehmen zu schaffen. Eine hervorragende Gelegenheit wird die von der ISB initiierte Veranstaltungsreihe „S@M – Start-up meets Mittelstand“ sein, bei deren Start ich gerne dabei bin.

Malu Dreyer

"Mein Herz schlägt nun mal in Rheinland-Pfalz", sagt Malu - eigentlich Maria Luise Anna - Dreyer auf ihrer Homepage. Seit Anfang 2013 ist sie Ministerpräsidentin des Landes, in dem sie 1961 geboren ist. 2016 wurde Malu Dreyer in ihrem Amt bestätigt. Bevor sie Ministerpräsidentin wurde, war die studierte Juristin Ministerin im Kabinett von Kurt Beck. Sie ist mit dem ehemaligen Bürgermeister von Trier verheiratet und hat drei Kinder.

3 Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um Gründer noch stärker zu unterstützen? Was plant die Landesregierung? Welche konkreten Maßnahmen und Instrumente sind geplant?

Die Landesregierung wird ein Konzept zur Unterstützung von Unternehmensgründungen vorlegen. Dies wird potentielle und aktive Gründerinnen und Gründer ansprechen und zielgerichtete finanzielle Hilfen (Venture Capital, Mikrokredite) in der ersten Phase der Neugründung (oder Übernahme) benennen. Die Unternehmensfinanzierung muss breiter und vielfältiger gestaltet sein und neben der klassischen Bankenfinanzierung neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding aufnehmen. Jungen Unternehmen wollen wir Zugang zu privatem Kapital ermöglichen. Hier beziehen wir die ISB ein und wollen den regionalen Wagnisfonds (VC) weiter stärken. Für das Jahr 2016 haben wir die Ausstattung 6 des Innovationsfonds mit 30 Millionen Euro geplant. Neben der ISB ist auch die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) eine wichtige Partnerin der Landeregierung. Sie stärkt im gemeinsamen Engagement von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik das Land als internationalen Wirtschaftsstandort und setzt einen besonderen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit von jungen und erfahrenen Unternehmern.

Wir brauchen ganz praktisch mehr Möglichkeiten, bei denen sich Gründerinnen, Gründer und Mittelstand kennenlernen können. 

Malu Dreyer
Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz

 

4 Die ISB ist mit ihren Venture-Capital-Fonds bei der Finanzierung von Start-up-Unternehmen ein wesentlicher Player in Rheinland- Pfalz. Was würden Sie sich zur weiteren Verbesserung des Finanzierungsangebotes im Start-up-Bereich wünschen?

Zunächst: Die ISB hat bei Start-ups einen sehr guten Ruf. Der Venture-Capital-Bereich der ISB betreut mehr als 120 junge Unternehmen in Rheinland-Pfalz und steht diesen neben der finanziellen Unterstützung mit einem breiten Netzwerk zur Seite. Wir werden für Start-ups und für Gründerinnen und Gründer einen Innovationsgutschein einführen, damit sie mit der Umsetzung von innovativen Ideen starten können. Diese leicht zugängliche Art der Landesförderung kann für die wissenschaftlichen Tätigkeiten im Vorfeld der Entwicklung eines innovativen Produkts, einer Dienstleistung oder einer Verfahrensinnovation verwendet werden. Sie gilt auch zur umsetzungsorientierten Forschung, für Entwicklungstätigkeiten, Service Engineering, Prototypenbau oder Design.

5 Wenn Unternehmen die erste Gründungsphase überstanden haben, geht es um Wachstum und Internationalisierung – hierfür fehlt Venture Capital nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern in ganz Deutschland. Was können Land und Bund tun, um diese Situation zu verbessern?

Wir müssen Anreize für Investoren schaffen. Junge Unternehmen benötigen nach der ersten Gründungsphase einen leichteren Zugang zu privaten Investorinnen und Investoren, um ihr Unternehmen weiter auszubauen. Wir wollen darauf hinwirken, dass auch andere Möglichkeiten zur Förderung unter anderem von privater Seite besser genutzt werden können und bekannt sind.

6 Die Landesregierung möchte die Digitalisierung von Unternehmen und Industrie in Rheinland-Pfalz unterstützen. Wie kann man den Transformationsprozess innovativer digitaler Geschäftsprozesse von Start-ups zu den mittelständischen Unternehmen in Rheinland-Pfalz verbessern und fördern?

Viele unserer mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer erkennen, dass die Digitalisierung unaufhaltsam ist und möglicherweise auch ihr Unternehmen betreffen und verändern wird. Als Exportland mit enormen internationalen Verflechtungen ist die Digitalisierung für uns eine Chance im Wettbewerb. Um den Mittelstand auf diesem Weg zu begleiten, gibt es viele Ansätze: Wir haben zum Beispiel in Rheinland-Pfalz bei der HWK in Koblenz das einzige bundesweite Kompetenzzentrum für die Digitalisierung im Handwerk. Besonders freue ich mich zudem, dass in Rheinland-Pfalz im Mai eines der ersten Kompetenzzentren zu Mittelstand 4.0 an der SmartfactoryKL in Kaiserslautern gestartet ist. Der Mittelstand wird hier Know-how aufbauen können, wie er die Digitalisierung für sich umsetzt und nutzt. Dabei wird deutlich werden: Mit einem Start-up an der Seite wird ein klassisches Unternehmen zum Schnellboot und zügig anpassungsfähig an neue Prozesse und Produkte. Die hohe Dynamik, mit der Start-ups den Markt bewegen können, überträgt sich in der Zusammenarbeit. Gleichzeitig wird die Landesregierung darauf achten, dass diese Innovation gemeinsam mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gestaltet wird. Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern am „Ovalen Tisch“ und weiteren wichtigen Akteuren entwickelt die Landesregierung deshalb in dieser Legislaturperiode den Masterplan „Gestaltung der Zukunft der Arbeit 4.0“. Wir wollen eine Digitalisierung, die dem Menschen dient. |