Der Besser­macher

Unternehmer Reiner Rudolphi leistet Entwicklungshilfe.


Verbales Gutmenschentum lebt vom Konjunktiv, von „könnte, würde, hätte“ und etlichen „wenn dann“. Reiner Rudolphi handelt lieber als zu reden. Vor drei Jahren feierte er seinen 50. Geburtstag und sammelte statt Geschenke Geldspenden für ein gemeinnütziges Projekt, das er ins Leben rufen wollte. Inzwischen betreibt er Entwicklungshilfe auf seine Art – und die ist so zupackend und handfest wie er selbst: Seit Ende 2014 gehören zwei junge Männer aus Ruanda zur Belegschaft seines Unternehmens, der ReMa Fertigungstechnik GmbH.

Happy Oliver Twiringire und Charles Hakizimana studieren an der Technischen Universität Kaiserslautern und sammeln erste praktische Erfahrungen in der ReMa-Produktion. „Am Anfang“, sagt Charles, „waren die Kollegen sehr vorsichtig. Da gab es bestimmt ein paar Berührungsängste, was ich aber auch verstehen kann. Schließlich ist es schon ungewöhnlich, auf einmal Kollegen aus Ruanda zu haben. Das hat sich aber auch nach ein paar Wochen gelegt.“

„Machining for Rwanda’s future“ nennt sich dieses von Rudolphi initiierte Projekt. Ab 2016 wird er jedes Jahr drei Jugendliche aus Ruanda zu Zerspanungsmechanikern ausbilden. „Wir vermitteln ihnen nicht nur technische Fachkenntnisse, die sie dann in ihrer Heimat nutzen können“, so Rudolphi. „Sie sollen auch den Unternehmergeist eines erfolgreichen mittelständischen Betriebs atmen. Und außerdem planen wir in einigen Jahren auch noch den Aufbau eines Fertigungsbetriebes in Afrika.“

Rudolphis zweites Projekt, die „Span(n)enden Perspektiven“, richtet sich an deutsche Jugendliche. Dreimal im Jahr haben sie im Rahmen sogenannter Praxistage die Chance, direkt im Betrieb ihre Teamfähigkeit und ihr Können unter Beweis zu stellen, um sich so auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben – ganz unabhängig von Noten oder Schulabschluss. Der Chef selbst hatte schulische Probleme und keinen leichten Einstieg ins Berufsleben. Die Unterstützung, die er damals bekam, gibt er nun mit Herzblut an andere weiter – egal ob in Ruanda oder Deutschland. Es sind der klassische Ansatz von „Hilfe zur Selbsthilfe“ und die Überzeugung, dass jeder eine zweite Chance verdient hat, die den Maschinenbautechniker motivieren.

Rudolphis Unternehmergeist überzeugt. 1994 gründete er die ReMa im knapp 5.000 Einwohner zählenden Rockenhausen und wurde dabei auch von der ISB gefördert. Seine 50-köpfige Mannschaft besitzt „Wertekärtchen“. Auf ihnen finden sich Begriffe wie Teamarbeit, Respekt, Kundenservice, Qualität, Personalentwicklung. Das Team hat diese Werte gemeinsam entwickelt. Rudolphi hat für ein Betriebsklima gesorgt, das Respekt auf Augenhöhe kultiviert und den konstruktiven Beitrag jedes Einzelnen würdigt.

Ihren Chef beschreiben die Mitarbeiter als einen strategisch denkenden Unternehmer, der kontinuierlich gemeinsam mit seinem Team Prozesse optimiert. Einer, der neue Wege geht und so wirtschaftlichen und sozialen Erfolg vereint. |