Auf leisen Sohlen Richtung Zukunft

Peter Kaiser modernisiert sich und setzt auf den Standort Pirmasens.


Am Ortseingang von Pirmasens begrüßt Autofahrer der „Silberne Schuh“: Ein überdimensionaler klassischer Pumps, aus einer versilberten Platte geschnitten und unübersehbar auf einem Grünstreifen platziert. Das flache Stück Kunst ist ebenso in die Jahre gekommen wie der Ruf der Stadt als Schuhmetropole Deutschlands. Im Jahr 1970 beschäftigten noch fast 300 Schuhbetriebe am Ort mehr als 22.000 Frauen und Männer. Heute sind noch knapp 30 davon übrig, für die rund 1.200 Menschen arbeiten – gut 300 davon stehen auf der Gehaltsliste des Schuhproduzenten Peter Kaiser.

Die Schuhfabrik Peter Kaiser hat die Krise der Industrie nicht einfach nur überlebt, sie ist gerade dabei, ihren eigenen Jungbrunnen zum Fließen zu bringen. Verantwortlich dafür zeichnet Marcus Ewig, seit drei Jahren Vorsitzender der Geschäftsführung. Der ehemalige Porsche-Manager arbeitet in Pirmasens erfolgreich an einer Kür, die so vielen anderen Chefs misslingt: Er modernisiert das Unternehmen und entwickelt dabei dessen Tradition weiter.

„Gut 95 Prozent unseres Leders beziehen wir von italienischen Gerbereien, mit denen wir teilweise seit vier Jahrzehnten zusammenarbeiten“, sagt Ewig. „Und unser Team ist in der Lage, daraus Schuhe höchster Qualität und überzeugender Passform zu fertigen.“ Mit dieser dreifachen Kompetenz könnten Mitbewerber, die in Asien ihr Material ordern und auch dort ihre Schuhe nähen lassen, nicht mithalten. Peter Kaiser wiederum kann und will sich nicht auf die Preispolitik der Billigkonkurrenz einlassen, die Schuhe für 30 Euro das Paar unter die Wegwerfgesellschaft bringt. Die Modelle der Pirmasenser kosten im Durchschnitt rund 150 Euro. „Unser Produkt soll, wird und muss seine Wertigkeit behalten, deshalb werden wir die Stärke der Marke noch besser kommunizieren. Dass wir hervorragende Schuhe vorwiegend für Frauen herstellen, das wissen wir. Dass unsere Kunden stolz darauf sind, sie zu tragen, daran arbeiten wir stetig.“

Wir sind eine Traditionsmarke mit enormem Potenzial. 

Marcus Ewig
Vorsitzender der Geschäftsführung von Peter Kaiser

Kooperationen mit Mode-Bloggerinnen, Magazinen und Designern der Berliner Fashion Week sorgen dafür, dass die Schuhe in den Fokus einer jüngeren Klientel rücken und dass das Durchschnittsalter der Kundschaft langsam aber stetig sinkt. Und auch ein anderer Aspekt spielt bei diesem Generationswechsel eine Rolle: „Wir bekommen viele Anfragen junger, informierter Frauen, die sich für die Nachhaltigkeit und Fairness unserer Produktion und die Herkunft unseres Materials interessieren, weil das für sie kaufentscheidend ist. Und diese Fragen können wir natürlich anders beantworten als die Konkurrenz, die in jeder Hinsicht auf billig setzt.“

Bewusst haben sich die Gesellschafter des Unternehmens und Ewig selbst für den Standort Pirmasens ausgesprochen, auch wenn Teile der Produktion in ein eigenes Werk nach Portugal verlagert wurden. An die 1.800 Schuhe fertigen sie in Pirmasens pro Tag. Fast eine Million Paare schaffen alle europäischen Standorte gemeinsam im Jahr. Rund 54 Prozent davon werden im Ausland verkauft. In Europa, Skandinavien und Russland laufen die Geschäfte bereits gut, und auch in China und dem Nahen Osten steigt der Umsatz.

Ewig und sein Team wollen mit ihren Schuhen „Begehrlichkeiten wecken und halten“. Deshalb hat der smarte Manager nicht nur der Kollektion und dem Markenauftritt einen neuen Look maßgeschneidert, sondern handelt ganzheitlicher und investiert – auch gefördert durch die ISB. Die komplette Produktion in Pirmasens wurde nach neusten ergonomischen Kenntnissen umgebaut, alle Arbeitsschritte räumlich auf einer Ebene zusammengefasst, die IT-Abteilung aufgefrischt, das Prozessmanagement umstrukturiert und der Verwaltungstrakt so renoviert, dass sich das neue Selbstbewusstsein des Unternehmens auch in seiner Architektur widerspiegelt.

Abgeschlossen ist damit das Projekt Zukunft noch lange nicht. In diesem Sommer öffnet der erste Peter Kaiser Markenstore in Deutschland, im kommenden Herbst folgt im kanadischen Toronto der zweite. Damit, so Marcus Ewig, sei man in der Lage, Peter Kaiser in einem Umfeld zu präsentieren, das in jeder Hinsicht zum neuen Gesicht der Marke passt. |