Innovation in Schwarz-Weiß

Wenn es dem Team gut geht, geht es dem Unternehmen gut – so sieht es Stefan Scharmann vom Familienunternehmen Jakob Maul GmbH. Und ist bei aller Tradition immer offen für Neues.


Das Zimmer sieht aus wie gezeichnet. Wie ein weißes Blatt Papier, auf dem schwarze Linien skizzenhaft Schreibtisch und Computer, Stuhl und Regal, Telefon und Leuchte markieren. Und doch ist der Raum echt – ein perfektes Fotomotiv im neuen Instagram-Museum im Odenwald. „Unser Innolab-Team hat diesen Raum gestaltet“, erzählt Stefan Scharmann stolz. „Sie haben das ganz in Eigenregie gemacht, von der ersten Idee bis zur Ausführung.“ Und er hat seine sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen lassen, ganz bewusst, auch wenn es die Firma erstmal einiges gekostet hat. „Ja, aber es hat das Team zusammengeschweißt und die Kreativität gefördert. Das ist mir sehr wichtig, deshalb lohnt sich so eine Investition am Ende auf jeden Fall.“

Stefan Scharmann

Uns sind Engagement, Offenheit für Veränderung und Mut wichtig. 

Stefan Scharmann

Scharmann ist 55 Jahre alt und in der vierten Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens Jakob Maul GmbH, einem Markenhersteller für innovative Büroprodukte – vor allem Leuchten, aber auch Stehpulte und Klemmbretter, Waagen und Flipcharts. Sein Urgroßvater Jakob Maul hatte 1912 eine Fertigung für Bürogeräte aus Metall gegründet, ganz ungewöhnlich erst im Alter von 45 Jahren. „Er hatte vorher als Angestellter schlechte Erfahrungen damit gemacht, wie der Chef mit Mitarbeitern umging“, erzählt Scharmann. „Ich vermute, dass ihm das Thema Mitarbeiterverantwortung deshalb von Anfang an so wichtig war.“ Ein Thema, das sich durch die Geschichte des Unternehmens zieht. „Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir ein Familienunternehmen sind. Man bekommt nicht für ein paar Jahre einen Management-Posten und kassiert am Ende eine Abfindung. Nein, für mich ist das eine Lebensaufgabe, dieses Unternehmen zu führen und an die nächste Generation weiterzugeben.“

Rund 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilen sich auf zwei Standorte, in Bad König im Odenwald werden die Metallteile hergestellt, in Kirchen in Rheinland-Pfalz alles aus Kunststoff. Diese zweite Produktionsstätte wurde von der ISB aus dem Programm Energie- und Ressourceneffizienz gefördert – die beiden innovativen, voll elektrischen Spritzgussmaschinen dort verbrauchen viel weniger Energie als die bisherigen Anlagen.

Die Hierarchien im Unternehmen hält Scharmann bewusst flach, die einzige Führungsebene ist ein Gremium aus 14 Personen, dem er selbst auch angehört. Sein Team fordert und fördert er: Jeder Mitarbeiter an der Maschine muss Verantwortung übernehmen und selbst Entscheidungen treffen, schließlich kennt er die Anlage ja am besten. Zugleich sind neue Ideen ausdrücklich erwünscht, es gibt einen Digitalisierungs- und drei Online-Manager sowie eine abteilungsübergreifende Innovationsgruppe – dabei werden Fehler in Kauf genommen. „Gerade bei Innovationen muss man manches eben erstmal ausprobieren. Aber uns sind Engagement, Offenheit für Veränderung und Mut wichtig.“

Motivation ist für Scharmann der Schlüssel zum Erfolg, und damit liegt er offenbar richtig: „Wir haben hier im Unternehmen fast keine Fluktuation, nur wenn Leute in Rente gehen, verlassen sie uns. Zugleich haben wir viele junge Leute, die neue Ideen mitbringen.“ So wie das schwarz-weiße Instagram-Zimmer im Odenwald, das wie ein perfekt gezeichnetes Büro aussieht. Zumindest auf den ersten Blick. Und das ganz in Eigenregie entstanden ist. |