Von Genusskultur und Kulturgenuss

Mehr Gäste, mehr Wertschöpfung, neue Ideen und touristische Infrastrukturen: Die neue Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025 hat ehrgeizige Ziele – und setzt dabei auf authentischen Genuss, besondere Erlebnisse und Wohlfühlambiente.


Ein Touristenpaar aus Norddeutschland kommt zum Wandern in die Pfalz. Hat vorab eine idyllische familiengeführte Pension gebucht, bekommt einen Tipp für ein leckeres Abendessen im Restaurant, besichtigt eine alte Burg und freut sich über gut ausgeschilderte Wanderwege. In den folgenden Tagen leihen sich die Gäste Fahrräder, besuchen ein Weingut, fahren mit dem Bus in eine nahe liegende Kleinstadt, erholen sich danach an einem Badesee. Ein perfekter Urlaub in Rheinland-Pfalz – so soll es sein.

Wir wollen Rheinland-Pfalz zur Marke machen. 

Udo Valentin
Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz

Zentrales Ziel der „Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025“, die im Oktober 2018 veröffentlicht wurde, ist die Steigerung der touristischen Wertschöpfung. Angestrebt werden die Gewinnung wertschöpfungsstärkerer Gäste, höhere Gäste- und Übernachtungszahlen und die dynamische Zusammenarbeit zwischen touristischen Betrieben und lokalen Unternehmen. Mehr Wertschöpfung entsteht beispielsweise durch Qualität, durch die Ausdehnung touristischer Angebote über die Sommersaison hinaus oder über die Kooperation lokaler Partner aus Tourismus, Wirtschaft und Kultur.
Das touristische Angebot soll stärker profiliert werden. „Der Wettbewerb ist im Tourismus national und international ausgesprochen stark. Gäste sind reiseerfahren, die Digitalisierung hat die Informationsmöglichkeit und -dichte enorm erhöht. Um im Markt wahrgenommen zu werden, brauchen wir klare Botschaften. Wir wollen Rheinland-Pfalz zur Marke machen. Tourismus als wichtige Branche wird Teil der Wirtschaftsstandortmarke, die entwickelt wird“, erklärt Udo Valentin aus dem Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz.

Barrierefreiheit im Tourismus

Mit dem Programm „Barrierefreiheit im Tourismus“, das die ISB mit Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) umsetzt, werden seit Jahren Hotels, Restaurants und Campingplätze mit einem Inves­titionszuschuss von bis zu 40 Prozent gefördert, die Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit umsetzen. Bislang war dieses Programm auf zehn Modellregionen beschränkt, seit Anfang März gilt es für ganz Rheinland-Pfalz: Die Unter­nehmen können sowohl beim Neubau als auch bei einer Erweiterung oder einem Umbau Investitionszuschüsse bekommen, wenn die Maßnahmen vorgegebene Kriterien erfüllen. So müssen bei Beherbergungsbetrieben nach der Investition mindestens zehn Betten und zehn Prozent der Zimmer barrierefrei sein, bei Restaurants mindestens zehn Tische und 50 Prozent der Gesamtzahl der Tische. Außerdem sind für die Gäste wesentliche Bereiche wie Parkplätze, Empfang und sanitäre Einrichtungen barrierefrei zu gestalten.

Dabei soll auch der Genuss im Fokus stehen: „Touristen sind auf der Suche nach besonderen Erlebnissen, authentischem Genuss und Sehnsuchtsorten mit Wohlfühlambiente“, heißt es wörtlich. Die vier folgenden genussorientierten Geschäftsfelder eignen sich als Impulsgeber für erfolgreiche Innovationen: Zur „Genusskultur“ zählen sowohl Kulinarisches als auch Baukultur, Gesundheit und Wellness. „Kulturgenuss“ betont den kulturellen Reichtum in Stadt und Land, „Naturgenuss“ die Landschaft mit Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Wassersport. „Tagungsgenuss“ schließlich zielt auf Gäste, die Seminare und Incentive-Reisen mit regionalen Besonderheiten verknüpfen möchten.

Niemand kann eine Region authentischer vermarkten als die Menschen, die dort leben und arbeiten. 

Daniela Schmitt
Staatssekretärin

Zu den Maßnahmen für eine Tourismusförderung gehört auch die gezielte Förderung des Gastgewerbes. Das bisher regional beschränkte Programm „Barrierefreiheit im Tourismus“ wurde gerade landesweit ausgerollt, und für die Zukunft sind weitere Fördermaßnahmen für Betriebe im Beherbergungsbereich geplant. „Sie sind das Rückgrat des Tourismus in Rheinland-Pfalz. Die Familienbetriebe leben Gastfreundschaft und prägen das Bild der Regionen“, so Valentin. Starke Familienunternehmen sollen als Markenbotschafter für den Tourismus in Rheinland-Pfalz entwickelt werden. Es ist vorgesehen, ein Anbieternetzwerk zur Schaffung von branchenübergreifenden Kooperationen sowie zur Entwicklung von Vorbildern mit besonderen unternehmerischen Kompetenzen aufzubauen.

Noch steht die Umsetzung der neuen Tourismusstrategie ganz am Anfang, derzeit arbeiten verschiedene Arbeitsgruppen an der Konkretisierung. Dabei haben sie immer die Ziele vor Augen: mehr Touristen nach Rheinland-Pfalz zu bringen – aus der Region, aus ganz Deutschland, aus der ganzen Welt. Und ihnen eine unvergessliche Zeit zu bieten, damit sie all ihren Freunden erzählen, wie schön es bei uns ist! |

„Unternehmen sind das Herz des Tourismus"

Bei der „Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025“ arbeitet das Wirtschaftsministerium des Landes eng mit Partnern aus dem Tourismus zusammen – mit der Arbeitsgemeinschaft der IHKs, dem DEHOGA Rheinland-Pfalz e. V., der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (RPT) sowie dem Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz e. V. (THV). Daniela Schmitt, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz, über die Ideen hinter der Strategie und über die konkrete Umsetzung:

Warum hat das Land eine Tourismusstrategie entwickelt?

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Rheinland-Pfalz. Wir wollen Synergien zwischen Wirtschaft und Tourismus stärken und setzen auf Kooperation zwischen touristischen Betrieben, Unternehmen und kulturellen Einrichtungen vor Ort. Tourismus soll stärker als Querschnittsbranche gedacht werden. Schließlich können Regionen sich besser vermarkten, wenn beispielsweise das Hotel in einer Stadt gemeinsam mit dem Bäcker vor Ort oder dem Fitnessstudio an einem Strang zieht und sie zusammen kreative touristische Angebote ent­wickeln. Außerdem möchten wir mehr Gäste über die Sommersaison hinaus für Rheinland-Pfalz begeistern und auch die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer als Zielgruppe stärker in den Blick nehmen.

Wie wichtig ist das einzelne Unternehmen dabei?

Die Unternehmen sind das Herz des Tourismus. Sie haben den direkten Kontakt mit dem Gast, sind dessen Ansprechpartner und „Wunscherfüller“ – deshalb kann die Strategie am Ende nur aufgehen, wenn Hotels, Restaurants und andere Anbieter mitziehen und die „Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025“ mit Leben füllen. Niemand kann eine Region authentischer vermarkten als die Menschen, die dort leben und arbeiten.

Wie können Sie das ganz konkret fördern?

Unsere Aufgabe ist es, den richtigen Rahmen zu schaffen, die Bedingungen zu verbessern. Wir bilden Netzwerke, in denen sich Unternehmen aus dem Bereich Tourismus kennenlernen und austauschen können. Und es sind weitere Förderprogramme geplant für Investitionen in den Tourismus.