Idylle mit Risiko

Manchmal bekommt eine Hausbank Darlehensanfragen, die zwar interessant, aber auch riskant sind. Dann kann die ISB als Risikopartnerin einspringen – wie beim malerisch gelegenen „Hotel Haus am Weinberg“ in St. Martin.


Eigentlich kam es überhaupt nicht infrage. Insgesamt zu groß, zu viele Plätze das Restaurant, zu viele Zimmer das Hotel, ein riesiges Grundstück. „Wir haben erst einmal spontan ‚nein‘ gesagt“, erinnert sich Philipp Arens noch gut. Er ist gelernter Koch, seine Frau Annika Restaurantfachfrau – beide hatten bereits viel Erfahrung in der Branche, waren seit Jahren mit einem Restaurant selbstständig. Jetzt wollten sie sich vergrößern, gerne auch mit ein paar zusätzlichen Gästezimmern. Sie hatten sich schon das eine oder andere Objekt angesehen, als die Anfrage vom damaligen Besitzer kam, ob sie nicht das „Haus am Weinberg“ in St. Martin übernehmen wollten: 6.000 Quadratmeter Fläche, 63 Zimmer, 120 Plätze im Restaurant, 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Annika und Philipp Arens lehnten ab – und begannen dann doch zu überlegen und zu rechnen. „Es ging uns nicht aus dem Kopf. Was wäre, wenn …? Wir haben mal durchgespielt, ob es nicht doch klappen könnte“, erzählt der 34-Jährige. „Dann sind wir hingefahren, einfach mal gucken. Und waren überwältigt von dem kilometerweiten Blick, von der Lage zwischen Wald und Weinbergen, und das Gebäude hat uns auch gut gefallen.“ Aus dem ‚Nein‘ wurde eine Option – und eine Frage der Finanzierung.

Wir waren überwältigt von dem kilometerweiten Blick. 

Familie Arens
Hoteliers

Genau diese Frage landete schließlich auf dem Schreibtisch von Alexander Hirsch. Der erfahrene Banker von der VR Bank Südpfalz hatte Familie Arens kennengelernt, als sie noch ein anderes Objekt im Auge hatte. „Das ‚Haus am Weinberg‘ war natürlich ein riesiges Projekt, eine ganz andere Dimension als zunächst geplant“, so der Banker. Der Preis für das Objekt war siebenstellig, für die Größe aber in Ordnung. Dennoch war ihm der Blankoanteil der Immobilie zu hoch, die Differenz zwischen Kaufpreis und dem Ertragswert, den die Bank auf Grundlage der nachhaltig erzielbaren Pacht für das Objekt ermittelt. „Es ist normal, dass es einen solchen Blankoanteil gibt. Bei einer solchen Größenordnung allerdings können wir das Risiko nicht allein tragen.“ Weil Alexander Hirsch jedoch die große Chance für die Kunden sieht und ihnen zutraut, das Projekt zu stemmen, setzt er sich ins Auto, fährt nach Mainz zur ISB. „Natürlich kennen wir von der VR Bank die ISB und wissen, dass wir ihr vertrauen können. Trotzdem wollte ich gerne persönlich mit den Kollegen sprechen.“ Und zwar über eine sogenannte Risikopartnerschaft: Die ISB kann in Fällen wie diesem eine Bürgschaft von bis zu 80 Prozent übernehmen. Wenn der Ernstfall eintreten sollte und das Darlehen nicht zurückgezahlt wird, übernimmt die ISB einen Großteil des Verlusts. Durch diese Bürgschaft reduziert sich also das Risiko für die Bank, allein auf einem großen Minus sitzenzubleiben. „Das bietet den Hausbanken einen guten Anreiz, auch für solche Projekte Kredite auszugeben“, erklärt Sibylle Schwalie, die bei der ISB den Bereich Bürgschaften und Investitionszuschüsse leitet.

Bei einer solchen Größenordnung können wir das Risiko nicht allein tragen. 

Alexander Hirsch
VR Bank Südpfalz

Genau dieses Modell schlagen ISB und VR Bank schließlich für das „Haus am Weinberg“ vor. „Uns war ja klar, dass es sich um eine große Investition und auch ein Risiko für die Bank handelte“, sagt Philipp Arens. „Für die Bürgschaft müssen wir zwar zusätzliche Gebühren bezahlen, aber wir haben alles durchgerechnet und uns dafür entschieden.“ Und so hat es schließlich geklappt – mittlerweile kocht Philipp Arens seine Gourmetmenüs im eigenen Restaurant, der Hotelbetrieb läuft gut. Die meisten Zimmer im „Haus am Weinberg“ sind renoviert, ebenso Seminarräume und der Eingangsbereich. Als Nächstes ist das eigene Wohnhaus dran: Keine 100 Meter vom Hotel entfernt steht ein kleines Einfamilienhaus, in dem die Arens’ mit ihren mittlerweile drei kleinen Kindern wohnen. „Wir haben es noch keinen Tag bereut, dass wir uns für dieses Objekt entschieden haben“, sagen sie einstimmig. „Natürlich ist immer viel zu tun – aber hier zu leben und zu arbeiten ist einfach ein Traum. Allein schon der Blick!“ |

Überblick: Risikopartnerschaften mit der ISB

Es gibt drei verschiedene Wege, wie die ISB einer Hausbank einen Teil des Risikos abnehmen kann: über Bürgschaften ab 1,25 Millionen Euro, über Konsortialkredite und über Haftungsfreistellungen. Bei Bürgschaften übernimmt die ISB gegen eine Gebühr eine Quote von maximal 80 Prozent, bei Avalkrediten von 70 Prozent und bei Betriebsmittelkrediten von 60 Prozent des Kreditrisikos. Bei einem Konsortialkredit teilen sich mindestens zwei Banken die Kreditsumme, in solchen Fällen steuert die ISB maximal 50 Prozent der Darlehenssumme bei. Zudem ist in vielen Programmdarlehen der ISB eine Haftungsfreistellung möglich: Die Hausbank haftet dann nicht für die vollständige Summe, sollte der Kredit vom Darlehensnehmer nicht zurückgezahlt werden. All diese Instrumente sollen Hausbanken motivieren, Kredite zu gewähren, auch wenn ein Unternehmen oder Investor wenige Sicherheiten vorweisen oder die Hausbank das Kreditrisiko aus anderen Gründen nicht allein tragen kann. |