Ein Roboter mit inneren Werten

Ergebnisse auf Knopfdruck statt stundenlange Analysen im Dunkeln: Die Aesku.Group GmbH & Co. KG aus Wendelsheim hat die Laborarbeit revolutioniert – und große Pläne für die Zukunft.


Er sieht ein bisschen aus wie ein Motorradhelm, nur etwas größer. Ähnliche Form, vorne eine Klappe wie ein Visier. Wenn die allerdings aufgeht, dann ist das Bild vom Helm dahin – denn der Diagnose- Roboter Helios hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. „Jedes dieser 192 Reagenzgläser hier enthält eine Blutprobe“, erklärt Dr. Torsten Matthias. „Aus jeder Probe entnimmt der Roboter automatisch Serum, gibt es auf einen Objektträger und analysiert es.“ Leidet ein Patient an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit? An einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion? An Zöliakie? Um das anhand einer Blutprobe herauszufinden, musste ein Laborant früher Stunden in einem Dunkelraum verbringen. Dort setzte er fluoreszierende Farbstoffe ein, um Antikörper sichtbar zu machen. Heute geschieht das alles automatisch, auf Knopfdruck – im Inneren des Helios.

Manchmal muss man eben auch ein Risiko eingehen. 

Dr. Torsten Matthias
Gründer der Aesku.Group GmbH & C o. K G

Dr. Torsten Matthias, von Haus aus Biochemiker, hat sich schon früh mit der Diagnostik von Autoimmunkrankheiten beschäftigt – also Krankheiten, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper schädigt. Warum gerade dieses Spezialgebiet? „Weil es schwierig ist“, sagt der Wissenschaftler sofort. „Es ist eine Herausforderung: Diese Krankheiten sind kompliziert zu diagnostizieren, und es gibt sehr viele davon."

Am 1. Januar 2000 gründet er in Wendelsheim die AESKU .Diagnostics e. K ., konzentriert sich in den ersten Jahren auf die Entwicklung von Diagnostikmitteln, mit denen Labore die Blutproben untersuchen. „Irgendwann wurde mir klar: Die Diagnostika sind das eine, aber man müsste die Analyse stärker automatisieren. Die stundenlange Arbeit im Dunkelraum schien mir nicht mehr zeitgemäß.“ Die Idee für einen Diagnose-Roboter hat er längst, und weil aus der Herstellung durch ein anderes Unternehmen nichts wird, nimmt Dr. Matthias es schließlich selbst in die Hand: sucht sich Spezialisten, entwickelt das Gerät und beginnt mit der Produktion von HELMED, einem Halbautomaten, der später zu dem weltweit ersten Immunfluoreszenz- Vollautomaten HELIOS weiterentwickelt wird. „Manchmal muss man eben auch ein Risiko eingehen und darauf vertrauen, dass man Erfolg haben wird“, sagt er.

Und es hat sich gelohnt: Hel ios ist bis heute der einzige Roboter, der solche Analysen vollständig übernimmt. Mehr als 800 der Geräte hat Aesku bislang verkauft, nicht nur in Deutschland, sondern auch in die USA, nach China, sogar nach Mauritius. Aber das reicht dem Biochemiker noch lange nicht, er will weiter expandieren. „Ich habe im Jahr 2000 allein angefangen, heute habe ich mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 20 Ländern.“ Im Laufe der Zeit hat er mehrere Unternehmen gegründet, unter anderem in San Francisco und in Kolumbien. Ganz aktuell arbeitet Aesku an einer Software, mit denen Labore vernetzt arbeiten können, außerdem will Dr. Torsten Matthias jetzt stärker in die Diagnostik von Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie Infektionskrankheiten einsteigen. Dazu hat er eine Firma in Schwerin übernommen. Das alles in dem Vertrauen, dass er es schaffen kann – wie schon so viel seit dem Jahr 2000. |