Die Erben des Lehmpastors

Seit mehr als 90 Jahren schon bietet die Familie Menschel ihren Gästen Ruhe, Entspannung, Genuss. Und: Gesundheit – vor allem durch eine sehr spezielle Therapie.


Eine dickflüssige, braune Masse, frisch aus dem Boden: Das ist im Vitalresort Menschel der Inbegriff von Genuss. Genauer: ein Bad in ebenjener Masse. 240 Kilogramm Lehm, frisch eingeschlammt mit Wasser, viele Gäste kommen extra deshalb hierher. „Der Lehm fördert und aktiviert den Organismus, zieht Giftstoffe aus dem Körper, versorgt ihn mit Mineralstoffen“, erklärt Dr. Matthias Menschel, Arzt und Geschäftsführer im Vitalresort. Und er muss es wissen, ist er doch mit ebenjenem Lehm aufgewachsen. 

 Um die gesundheitsfördernde Wirkung des Naturmaterials wusste schon vor mehr als einhundert Jahren ein evangelischer Pastor namens Emanuel Felke. Im Jahr 1915 eröffnet der heilkundlich versierte Seelsorger in Bad Sobernheim seine erste Naturheil­praxis, setzt Lehm vor allem für Einreibungen und Schlammbäder ein – was ihm schnell den Beinamen „Lehmpastor“ einbringt. Ihm assistiert ein junger Mann namens Alfons Menschel, irgendwann bekommt er vom Pastor persönlich die Erlaubnis, diese Methoden auch anderweitig anzuwenden. Gemeinsam mit seiner Frau Johanna renoviert Menschel das damals leerstehende Hotel „Englischer Hof“ im nahe gelegenen Meddersheim, macht es 1928 zum „Felke-Jungborn Menschel“, bietet fortan Lehmkuren an – und begründet damit eine Tradition, die die Familie Menschel heute in dritter Generation fortführt.

„Ich bin hier auf dem Gelände aufgewachsen, wir hatten unser Privathaus gleich neben den Gästehäusern“, erzählt Matthias Menschel. Schon als Kind hatte er oft Kontakt zu denjenigen  Gästen, die häufiger herkamen, hat die Arbeit seiner Eltern hautnah miterlebt. „Ein Privileg war natürlich, wenn ich mit meinen Freunden mal das Schwimmbad benutzen durfte, während die Gäste gerade beim Abendessen waren“, erinnert er sich gerne. Schon früh war ihm klar, dass er Medizin studieren wollte, um ebenfalls in das Familienunternehmen einzusteigen. Er ging zum Studium ins Saarland, dann als Assistenzarzt nach München. „Das war schön dort, aber ich bin auch gerne wieder hierher zurückgekommen.“

Hier kann man stundenlang einfach in der Natur spazieren gehen, und es kann sein, dass man keinen Menschen trifft. 

Dr. Matthias Mensche
Geschäftsführer Menschels Vitalresort

Seit dem Jahr 2000 führt Matthias Menschel das Resort gemeinsam mit seiner Schwester Birgit und seiner Frau Dr. Gudrun Herzel. Gemeinsam haben sie das Angebot kontinuierlich erweitert, heute hat das Biohotel 68 Betten, zwei neue Gästehäuser wurden mit Förderung der ISB errichtet. Einerseits setzt das Team auf den Wohlfühlfaktor: Es gibt Yoga und geführte Wanderungen, Wellness, Saunalandschaften und Bäder, kosmetische Behandlungen und Massagen. Das Essen ist gesund, frisch und oft vegetarisch. „Unseren Gästen ist es einfach wichtig, hier zur Ruhe zu kommen – weg vom Alltagsstress, weg vom Termindruck. Hier kann man stundenlang einfach in der Natur spazieren gehen, und es kann sein, dass man keinen Menschen trifft.“ Andererseits bieten die Mediziner eine Reihe von Gesundheitsleistungen an, etwa Heil­fastenkuren nach Buchinger und Burn-out-Prävention, Detox und Akupunktur, Blutegelbehandlungen und Herz-Kreislauf-Checks.

Im Mittelpunkt allerdings stehen bis heute die traditionellen Felke-Behandlungen mit Lehm, der auf eigenen Feldern gleich neben dem Resort abgebaut wird. Manche Gäste entscheiden sich für ein tägliches Lehmbad, andere für regelmäßige Lehmpackungen – ganz in der Tradition des Gründers Alfons Menschel. Und in der Tradition von Emanuel Felke, der als „Lehmpfarrer“ längst seinen festen Platz in der Geschichte der Naturheilverfahren hat. |