Schlammkur für Fort­geschrittene

Die PYREG GmbH wandelt Schlamm in wertvolle Rohstoffe um.


Hässlich, übelriechend, voll mit Schadstoffen und Schwermetallen: Klärschlamm hat keinen guten Ruf, ist aber reichlich vorhanden. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr rund zwei Millionen Tonnen der Masse an. Knapp die Hälfte davon wird thermisch entsorgt, der Rest landet als Dung auf Feldern und Äckern.

Doch die Besorgnis über mögliche Gesundheits- und Umweltgefahren dieser Verwertung wächst. Auf politischer Ebene wird deshalb aktuell über den Umgang mit dem Schlamm diskutiert. Denn so kritisch seine Zusammensetzung erscheint, so reich ist er auch an wertvollen Nährstoffen – allen voran das lebenswichtige und knappe Phosphor. Mit jeder Tonne Klärschlamm, die verbrannt wird, löst sich also einer der wichtigsten Rohstoffe unserer Zeit in Flammen auf. Ein Dilemma, auf das die PYREG GmbH eine innovative Antwort gefunden hat.

„Wir haben ein klimaschonendes Verfahren entwickelt, das uns ermöglicht, Klärschlamm und andere feuchte Biomasse so zu verwerten, dass wir daraus nicht nur Energie gewinnen können, sondern Pflanzenkohle oder im Fall von Klärschlamm Phosphordünger“, sagt Sine Friedrich, die Sprecherin der PYREG. „Damit schließen wir den regionalen Stoffkreislauf, reduzieren die Entsorgungskosten und beseitigen auch noch aktiv Schadstoffe aus dem Klärschlamm oder im Fall von Pflanzenkohle schädliche Treibhausgase aus der Atmosphäre.“ Die zukunftsweisende Technologie erhielt bereits etliche Umwelt- und Innovationspreise.

Die Basistechnologie des von der ISB geförderten Unternehmens wurde vor zehn Jahren von Prof. Winfried Sehn und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter, Dipl.-Ing. Helmut Gerber, an der Fachhochschule Bingen erfunden. Gerber wagte anschließend den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete 2009 die PYREG GmbH. Zur Finanzierung wurden gemeinsam mit privaten Investoren über die ISB Beteiligungen zur Verfügung gestellt. Zwischen der FH Bingen und dem Unternehmen, das viele Abschlussarbeiten fördert und gemeinsame Forschungsprojekte begleitet, besteht heute noch ein enger Austausch.

Die Anlagen, die nun auf dem Gelände der PYREG im Hunsrück entstehen, sind ebenso kompakt wie wirtschaftlich. „Sie passen in einen normalen Container und können auf einem einfachen LKW transportiert werden“, so Friedrich. „Schnell vor Ort aufzubauen, effektiv, hochwertig und made in Dörth.“ Es sind vor allem die privaten und kommunalen Entsorgungsbetriebe, die Anlagen bei der PYRE G ordern. Gerade arbeitet das 29-köpfige Team an einer Pilotanlage für das Klärwerk Linz-Unkel. 

So innovativ wie das Produkt ist auch die PYREG selbst. „Flache Hierarchien, offene Türen, viel Kommunikation und Freiraum für Verantwortung“, so beschreibt Sine Friedrich das Arbeitsklima. „Wir alle leben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, haben selbstverständlich Homeoffice-Tage, und gäbe es den Bedarf an Arbeitsmodellen, die es Kollegen ermöglichen, sich um pflegebedürftige Eltern zu kümmern, würde es daran auch nicht scheitern.“ Die junge PYREG hat bewusst ein altersgemischtes Team. „Um zu wachsen, braucht es nicht nur Idealisten und Voranstürmer, sondern auch einen kühlen Kopf und Erfahrung“, so Friedrich. Eben durch und durch ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen. |

Gesundes Wachstum braucht Verstand und Erfahrung. 

Sine Friedrich
Pressesprecherin der PYREG GmbH