Der Bauch der Stadt

Zwei junge Mainzer kochen sich glücklich.


Gutes Essen bringt Menschen miteinander ins Gespräch. 

Sarah Tritschler und Daniel Kalbfuß
Gründer des Möhren Milieus

In der Mainzer Neustadt steigt einem das Glück mittags förmlich in die Nase: Wenn die Gäste im Möhren Milieu ihr Essen ordern, riecht jeder Teller, der über die Theke geht, nach mehr. An diesem Tag stillen Stammpublikum und Laufkundschaft ihren Hunger mit Kohlrabi-Spaghetti in einem Paprika-Mandel-Süppchen und einem gelben Curry mit Pastinaken und Grünkohl. Zum Dessert? Schokowaffeln!

Das vor rund einem Jahr eröffnete Eco Café von Sarah Tritschler und Daniel Kalbfuß ist feste Anlaufstelle der Mainzer Besseresser. Und auch ihr „Food Truck“, der auf Märkten, Festivals und anderen Events Station macht, ist legendär. Bis zu 18 Stunden pro Tag steht das sympathische Paar derzeit am Herd und in der Küche. Ihr jeweiliges Studium haben sie dafür erst einmal auf Eis gelegt. Acht Aushilfen unterstützen die jungen Existenzgründer, die ihr Team gerade um zwei fest angestellte Teilzeitkräfte erweitern. Eine zweite Küche ist bereits in Fußnähe zum Café angemietet.

Alles, was sie so erfolgreich verarbeiten und servieren, ist regional, saisonal, überwiegend bio, frisch verarbeitet – und vegan. Privat essen die beiden schon seit Jahren keine tierischen Produkte mehr. Der ethische Aspekt sei ihnen dabei ebenso wichtig wie eine grundsätzlich gesunde Ernährung, so die 27-jährige Sarah. Die Tageszeitung DIE WELT hat den „Veganismus“ vor Kurzem eine „politisch korrekte hochethische Minderheitenbewegung“ genannt, was in etwa so sympathisch und entspannt klingt wie eine Wurzelbehandlung. Sarah Tritschler kennt alle Klischees und Vorurteile, die über Veganer im Umlauf sind – und widerlegt sie durch Taten.

Im Möhren Milieu wird niemand belehrt oder bekehrt, Fleischesser sind willkommen, und das Design ist mehr Chic als Jute. Der Genuss steht im Vordergrund, nicht die Ernährungsgesinnung. „Die wenigsten, die bei uns essen und einkaufen, sind Veganer. Aber unser Essenverbindet Menschen, bringt sie miteinander ins Gespräch, natürlich auch über vegane Ernährung“, sagt Sarah Tritschler.

Nachhaltig ist nicht nur das Essen, sondern auch das Konzept des Möhren Milieus. Die Einrichtung, die an Cafés in Berlin und Amsterdam erinnert, ist so charmant wie clever komplett upcycled.Jeder Teil der Lebensmittel wird genutzt: Salatherzen werden zu Smoothies, Trester aus der Saftpresse zu Crackern verarbeitet. Für „To-go-Kunden“ füllt das Team Suppen und frisch gepresste Säfte gegen Pfand in Glasflaschen. Ein Teil der Einnahmen wandert in soziale und ökologische Projekte. „Was wir weitergeben wollen, wollen wir eben auch selbst ganz leben“, sagt Sarah Tritschler. |